![]() |
|
the uninvited guest - Druckversion +- Slayertime (https://slayertime.de) +-- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=103) +--- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=104) +---- Forum: Bars, Clubs & Restaurants (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=105) +----- Forum: Valen & Vice (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=202) +----- Thema: the uninvited guest (/showthread.php?tid=2255) |
the uninvited guest - Hope Marshall - 01.07.2026 ~ LAMIA ~
Dass Lamia Nachtclubs mochte, überraschte Hope im Grunde nicht einmal, denn Orte, an denen Menschen ihre Hemmungen mit Alkohol ertränkten, ihre Begierden offen zur Schau stellten und Moral mit jedem weiteren Drink ein Stück weiter in den Hintergrund rückte, schienen die uralte Dämonin seit jeher magisch anzuziehen. Hoffnung, Anstand oder Rücksicht hatten für sie nie einen besonderen Wert besessen, vielmehr betrachtete sie all jene Eigenschaften mit derselben neugierigen Belustigung, mit der ein Kind Ameisen beobachtete, die sich emsig ihren Weg durch das Gras bahnten. Das Valen & Vice war deshalb beinahe wie für sie geschaffen worden, denn zwischen goldenen Lichtern, dekadenten Cocktails, dämonischen Auren und einer Musik, deren dumpfer Bass selbst noch tief in der Brust vibrierte, konnte Lamia genau das tun, was ihr seit Jahrtausenden die größte Freude bereitete: beobachten, ausprobieren und mit Menschen spielen, ohne dass diese überhaupt bemerkten, wie leicht sie sich in die gewünschte Richtung schieben ließen. Hope selbst nahm von alldem lediglich Bruchstücke wahr, flüchtige Erinnerungsfetzen, die sich anfühlten, als würde sie durch beschlagenes Glas auf das Geschehen blicken. Da war das rhythmische Flackern der Lichter, das sich in den polierten Oberflächen spiegelte, das Gemisch aus teurem Parfum, verschüttetem Alkohol, Schweiß und den ganz eigenen Gerüchen übernatürlicher Wesen, deren Auren wie verschiedenfarbige Schleier ineinanderflossen, und irgendwo dazwischen Lamias helles, beinahe unbekümmert klingendes Lachen, das niemals zu Hope gehört hatte. Sie tanzte mit einer Selbstverständlichkeit, die Hope völlig fremd war, bewegte sich geschmeidig zwischen Menschen und Dämonen hindurch, suchte bewusst ihre Blicke, erwiderte Komplimente mit charmantem Lächeln oder zweideutigen Bemerkungen und genoss jede einzelne Sekunde davon, während das schwarze Kleid ihren Körper betonte und die hohen Schuhe auf dem dunklen Boden leise klackten. Dass dieser Körper eigentlich nicht ihr gehörte, schien Lamia dabei ebenso wenig zu interessieren wie die Tatsache, dass Hope sich niemals freiwillig so gezeigt hätte. Besonders lange hielt ihre Aufmerksamkeit allerdings auch dieser Tanz nicht gefangen. Zwei Gäste gerieten zunächst lediglich verbal aneinander, wahrscheinlich wegen irgendeiner Nichtigkeit, doch Lamia genügte es, hier eine beiläufige Bemerkung einzustreuen, dort einem der beiden Männer scheinbar verständnisvoll zuzulächeln und dem anderen mit wenigen Worten genau den Zweifel einzupflanzen, der verletzten Stolz binnen Sekunden in offene Aggression verwandelte. Zufrieden ließ sie sich mit ihrem Cocktail auf einem Barhocker nieder, schlug die Beine übereinander und beobachtete mit unverhohlener Freude, wie aus gegenseitigem Anrempeln Schubsen, aus Schubsen Schläge und schließlich eine handfeste Prügelei wurde, bei der immer mehr Gäste mit hineingezogen wurden. Zwar flogen keine Zähne, doch etwas Blut floss dennoch. Als Appetitanreger nicht schlecht. Für Lamia besaß dieses Chaos denselben Unterhaltungswert wie für andere Menschen eine spannende Fernsehserie, weshalb sie das Schauspiel mit fast kindlicher Neugier verfolgte, bis schließlich die Security eingriff und sich die ersten kräftigen Männer ihren Weg durch die Menge bahnten. Damit verlor die Angelegenheit augenblicklich ihren Reiz. Langweilig. Vorhersehbar. Während andere Gäste zurückwichen oder lautstark protestierten, glitt Lamia beinahe spielerisch zwischen ihnen hindurch, wich den Sicherheitskräften aus, ohne dass diese sie überhaupt richtig wahrnahmen, und entdeckte schließlich einen Aufzug, auf dessen „Open“-Taste sie drückte, nachdem sie sich noch einmal galant zum Geschehen nahe der Tanzfläche umgedreht hatte und verschwand rückwärts gerichtet mit einem zufriedenen Grinsen im Fahrstuhl. Neugier hatte sie schon immer weit stärker angetrieben als Vorsicht, weshalb sie kurzerhand einstieg, sich entspannt gegen die Rückwand lehnte und erst dann bemerkte, dass der Fahrstuhl sie nicht etwa zurück in den Club, sondern immer weiter nach oben brachte. Als sich die Türen schließlich erneut öffneten, lag vor ihr eine luxuriöse Penthousewohnung, deren geschmackvolle Einrichtung selbst Lamia für einen kurzen Moment interessiert innehalten ließ. Langsam schlenderte sie zwischen warmen Hölzern, dunklem Leder und ausgewählten Kunstwerken hindurch, ließ ihre Fingerspitzen beiläufig über Möbel gleiten und betrachtete einzelne Gegenstände mit derselben unverbindlichen Aufmerksamkeit, mit der andere Menschen Schaufenster betrachteten, bis ihr Blick schließlich auf eine hochwertige Rolex fiel. Hübsch. Mehr dachte sie darüber gar nicht nach, sondern ließ die Uhr mit einem zufriedenen Lächeln in ihrer kleinen Handtasche verschwinden. Lange hatte sie allerdings keine Gelegenheit, sich weiter umzusehen. Als das kaum hörbare Summen des Aufzugs ihre Aufmerksamkeit erneut auf sich zog und ihr verriet, dass jemand auf dem Weg nach oben war, blieb Lamia für einen kurzen Moment vollkommen reglos stehen, ehe sich dieses verschmitzte, beinahe schelmische Lächeln auf ihre Lippen legte, das Hope inzwischen nur allzu gut kannte und das nie etwas Gutes bedeutete. „Dein Problem, Süße“, murmelte sie mit leiser, amüsierter Zärtlichkeit, als würde sie Hope ein besonders hübsch verpacktes Geschenk hinterlassen, bevor sie sich ohne jedes Zögern wieder in den Hintergrund zurückzog und die Kontrolle über den gemeinsamen Körper ebenso plötzlich abgab, wie sie sie übernommen hatte. ~ HOPE ~
Hope riss erschrocken die Augen auf und benötigte einige Sekunden, bis ihr Bewusstsein die ungewohnten Eindrücke überhaupt einordnen konnte. Sie wusste weder, wo sie sich befand, noch wie sie dorthin gelangt war, doch das war mittlerweile beinahe schon Routine geworden, sobald Lamia für längere Zeit die Kontrolle übernommen hatte. Noch bevor ihr Blick überhaupt durch den Raum wanderte, registrierte sie instinktiv etwas anderes, nämlich den ungewohnt leichten Stoff auf ihrer Haut, der sich bei jeder noch so kleinen Bewegung anders anfühlte, als sie es gewohnt war. Erst jetzt senkte sie langsam den Blick an sich hinab und spürte augenblicklich, wie sich ein unangenehmes Ziehen in ihrer Magengegend ausbreitete. Das schwarze Kleid schmiegte sich deutlich enger an ihren Körper, als ihr lieb war, ließ ihre Beine vollständig unbedeckt und offenbarte durch den tiefen Ausschnitt wesentlich mehr von ihr, als Hope jemals freiwillig gezeigt hätte. Die hohen Schuhe machten jeden Schritt ungewohnt unsicher, eine Kette lag kühl auf ihrer Haut und als sie sich mit den Fingern flüchtig über Lippen und Wangen strich, blieb ein Hauch verschmierter Schminke an ihren Fingerspitzen zurück. Der süßliche Duft eines fremden Parfums hing in ihren Haaren und genügte bereits, um jede noch so kleine Hoffnung zu ersticken, Lamia könnte diesmal vielleicht etwas weniger... kreativ gewesen sein. Unwillkürlich zog sie den ohnehin viel zu kurzen Saum des Kleides ein Stück weiter nach unten, strich eine Haarsträhne nach vorn, um den tiefen Ausschnitt zumindest ansatzweise zu verdecken, und verschränkte schließlich fast automatisch die Arme vor ihrem Oberkörper. Nicht, weil sie glaubte, jemand könnte sie attraktiv finden oder weil sie sich ihrer Weiblichkeit schämte, sondern weil sie sich schlicht nicht wie sie selbst fühlte. Dieses Kleid machte aus ihr eine junge Frau, die gesehen werden wollte, während Hope ihr ganzes Leben darauf verwendet hatte, möglichst unauffällig zu bleiben, sich hinter Kapuzen, Pullovern und viel zu großen Jacken zu verstecken und niemals unnötig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dass Lamia ausgerechnet ihren Körper dafür benutzt hatte, sich auf diese Weise zu präsentieren, hinterließ ein Gefühl, das sich irgendwo zwischen Fremdheit, Unbehagen und stiller Resignation bewegte. Doch lange blieb ihr keine Zeit, darüber nachzudenken, denn beinahe gleichzeitig drängte sich die viel wichtigere Frage in den Vordergrund, was Lamia während ihrer Abwesenheit eigentlich alles getan hatte. Hatte sie jemanden verletzt? War Blut geflossen? War vielleicht sogar jemand gestorben? Hope wusste es nicht und gerade diese Ungewissheit lastete schwerer auf ihr als jedes noch so aufreizende Kleid. Als schließlich erneut das leise Surren des Aufzugs erklang, reagierte ihr Körper, noch bevor ihr Verstand den Gedanken vollständig zu Ende gebracht hatte. Lautlos huschte sie hinter einen massiven Schreibtisch, ließ sich dort in die Hocke sinken und zog die Beine eng an den Körper, während sie den viel zu dünnen Stoff des Kleides unbewusst mit einer Hand festhielt. Klein werden, beobachten, erst verstehen und dann handeln – diese Reihenfolge hatte ihr Leben schon einmal gerettet und sie war tief genug in ihr verankert, um auch jetzt ganz automatisch die Kontrolle zu übernehmen. Mit angehaltenem Atem lauschte sie auf die näherkommenden Schritte, während ihr Herz dumpf gegen ihre Rippen schlug und sie nur inständig hoffen konnte, dass Lamia diesmal nichts getan hatte, dessen Konsequenzen nun ausgerechnet auf ihren Schultern landen würden. RE: the uninvited guest - Mammon - 02.07.2026 Oh man, selbst in der Hölle hatte er wohl nie solche Veränderungen in seinem Leben gehabt, wie in dem letzten halben Jahr! Erst, die Eröffnung seines Nachtclubs, wo er Deals abschloss, seiner Leidenschaft des Klavierspielens und des Singens nachgehen konnte, sowie natürlich all den heißen Personen mit denen er sich vergnügt hatte, dann tauchte seine Schwester schwer verletzt wieder auf, gefoltert vom eigenen Dad und ihrer Gnade entrissen und schließlich die Sache mit Fred. Ein halbes Jahr nicht gesehen und nach dem ersten Wiedersehen und dem Sex hier im Penthouse, wollten sie es wirklich miteinander versuchen. Ja, Mammon, der Teufelssohn, versuchte sich wirklich in so etwas, wie eine Beziehung! Klang absolut unrealistisch? Ja, aber dem war wirklich so, auch wenn er das ganze Konzept einer Beziehung so noch nicht ganz verstand. All diese komischen Regeln und der Sex nur auf einen Partner beschränkt… dann waren Freunde und Familie des Anderen Tabu… ja, da musste Mammon sich noch reinfuchsen, aber wenn er so mehr Zeit mit Fred verbringen konnte… Er würde das schon irgendwie hinbekommen. Schließlich war er Mammon, der Sohn des Teufels, der etwas Besonderes war und der in der Rangfolge weit oben stand. Ok, andere Götter, Engel, Erzengel und natürlich sein Grandpa standen noch über ihm, aber sonst? Der Rest eben nicht und der Rest war noch eine Menge! Aber zurück zum Hier und Jetzt. Mammon hatte diesen Abend nicht in seinem Club gesungen oder gespielt. Nein, er war bei einem geschäftlichen Termin gewesen und hatte so auch nichts davon mitbekommen, was in seinem Club gerade los war. Selbst wenn er es gewusst hätte, dahingehend konnte er auf seine Security zählen und so eine kleine Schlägerei war nun wirklich nichts Spannendes. Er fuhr parkte seinen Wagen in die Garage und hatte sich dann schon zu seinem privaten Aufzug gemacht. Es war der gleiche Aufzug, der im Club hielt und eben ganz oben in seiner Penthouse Wohnung. Dass da ein ungebetener Gast war, nun das war ihm (noch) nicht klar. Als sich die Türen des Aufzugs nun wieder öffneten und er seine Schritte in seine Wohnung tätigte, hatte er sofort ein komisches Gefühl. Er war nicht allein, das wusste er sofort. Kurz ließ er seien Blick gleiten und merkte dabei, dass ihm die Rolex fehlte. Ja, er hatte sie offen liegen lassen. Diese hatte ihm dieser komische dumme und dicke Kerl von einem Mafiaboss geschenkt, nachdem sie einen Deal abgeschlossen hatten. Mal ehrlich… sah Mammon so aus als bräuchte er so etwas? Aber zurück zu dem Eindringling… Anstatt diesen nun sofort zur Rede zu stellen, ging Mammon erst einmal zu seiner Bar, holte sich ein Glas und eine gute Flasche Scotch hervor und goss sich etwas ein. Danach nahm er einen Schluck und ging dann mit dem Glas zu seinem Flügel. Er setzte sich auf den Klavierhocker und stellte dann das Glas auf sein Instrument. Seine Finger legten sich auf die Tasten und er fing an, eine langsame und düstere Musik zu spielen. “Also… mein ungebetener Gast…” Finge er an und war noch immer entspannt dabei, während seine Finger, wie selbstverständlich weiterzuspielen. “Entweder kommst du freiwillig aus deinem kleinen Häschenversteck oder ich finde dich und werde dafür sorgen, dass du angemessen bestraft wirst, dass du einfach so in meine Wohnung eingedrungen bist. Wirklich eine schlechte Idee den Teufelssohn so zu besuchen und dann auch noch sein Hab und Gut stehlen zu wollen.” Nun lag es an dem Einbrecher, sich zu entscheiden. Der einfache Weg, sich freiwillig zu stellen oder eben es auf die harte Tour zu machen. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 03.07.2026 Das leise Klavierspiel ließ Hope unwillkürlich erstarren. Es war nicht einmal die Drohung, die sie in ihrem Versteck hinter dem schweren Schreibtisch regungslos verharren ließ, sondern vielmehr der unerwartete Gegensatz zwischen der ruhigen Melodie und den Worten, die sie begleiteten. Wer einen Einbrecher in seiner Wohnung vermutete, griff vermutlich nach einer Waffe, rief die Polizei oder begann, den Raum systematisch zu durchsuchen. Mammon dagegen schenkte sich zunächst einen Scotch ein und setzte sich an sein Klavier, als gehöre selbst dieser Moment lediglich zu einem weiteren Abend in seinem Leben. Gerade diese Gelassenheit ließ Hope ahnen, wie aussichtslos jede Flucht gewesen wäre. Wer sich seiner selbst derart sicher war, musste schließlich keine Eile haben. Noch konnte sie nicht sehen um wen es sich handelte und auch an der Stimme erkannt sie ihn nicht. Sie waren sich damals nur kurz begegnet und in ihren Erinnerungen bestanden sowieso hin und wieder Lücken und den Wechsel ihres Bewusstseins. Sie zog die Knie noch ein kleines Stück näher an den Körper, wobei ihre Finger den dünnen Stoff des fremden Kleides beinahe krampfhaft umklammerten. Noch immer fühlte es sich falsch an. Nicht unbequem, sondern... fremd. Als hätte jemand anders ihren Körper angezogen und anschließend vergessen, ihn wieder zurückzugeben. Unwillkürlich strich sie den ohnehin viel zu kurzen Saum erneut ein Stück nach unten, obwohl sie längst wusste, dass diese kleine Bewegung nichts daran änderte, wie ungewohnt sichtbar sie sich darin fühlte. Seine Worte erreichten sie dennoch. Hab und Gut stehlen... Fast automatisch glitt ihre Hand zu der kleinen Tasche, die Lamia ihr umgehängt hatte. Die Rolex, natürlich. Für einen kurzen Augenblick schloss Hope die Augen. Verdammt, Lamia., dachte sie nur. Weder war sie besonders überrascht, noch ernsthaft ärgerlich darüber. Sie empfand eher diese müde Resignation, die sich über die Jahre eingestellt hatte und jedes Mal zurückkehrte, wenn sie wieder einmal an einem fremden Ort aufwachte und versuchte herauszufinden, welche Katastrophe Lamia diesmal hinterlassen hatte. Und immerhin schienen hier keine frischen Leichen zu liegen, etwas das Hope als sehr erleichternd aufgenommen hatte. Fortlaufen wäre sinnlos. Langsam löste sie ihre Finger von dem Stoff des Kleides, griff stattdessen in die kleine Handtasche und zog die Rolex vorsichtig hervor. Das Metall fühlte sich kühl in ihrer Hand an, beinahe schwerer, als eine Uhr eigentlich sein durfte. Mit einem kaum hörbaren Atemzug richtete sie sich schließlich auf. Langsam und ohne hastige Bewegungen. Sie wusste nicht, ob der Mann sie längst hören konnte oder ohnehin genau wusste, wo sie sich befand, weshalb jeder Versuch, sich lautlos zu bewegen, ihr plötzlich ebenso sinnlos erschien wie der Gedanke an Flucht. Vorsichtig trat sie hinter dem Schreibtisch hervor, den Blick zunächst auf den Boden gerichtet, ehe ihre Augen schließlich zu ihm wanderten. Und als sie nun aus ihrer Deckung tat, erkannte sie mit einem Mal seine markanten Gesichtszüge, seine dunklen Haare und den Blick, der so durchdringen war, dass er sie mit ihm nicht einmal fixieren musste. Für den Bruchteil einer Sekunde versteifte sich ihr gesamter Körper. Ich bin Mammon, Prinz der Hölle und baldiger Herrscher dieser Erde. Er hatte sich seit ihrer ersten Begegnung kaum verändert, zumindest nicht äußerlich, wie sie sehen konnte. Erneut schien er mit seiner Präsenz den gesamten Raum auszufüllen, ohne laut werden zu müssen. Und genauso kroch eine eiskalte Gänsehaut ihren Rücken hoch und setzet sich mit einer Vehemenz in ihrem Nacken fest. Nun erinnerte sie ich auch wieder gut an ihre erste Begegnung, um erneut das beinahe erdrückende Gefühl seiner Präsenz wahr zu nehmen. Damals hatte Lamia Menschen getötet. Er hatte sie gesehen, sie beide. Und dennoch hatte er sie in ihrem bewusstlosen Zustand anschließend nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern in Sicherheit gebracht. Die Fragen darüber waren geblieben und schließlich im Nebel ihrer Erinnerung unbeantwortet verschwunden. Hope blieb in respektvollem Abstand stehen. Nicht aus Unterwürfigkeit, sondern weil ihr Körper ihr seit Jahren beigebracht hatte, anderen Menschen grundsätzlich nicht näher zu kommen, als unbedingt nötig. Schweigend streckte sie schließlich die Hand aus, in der die Rolex lag. „Die... gehört dir.“ Ihre Stimme war leise, beinahe rau vom langen Schweigen und sie bemühte sich die Überraschung nicht in ihr durchklingen zu lassen, was ihr nur eigeschränkt gut gelang. War dies nur ein Zufall oder von Lamia bewusst gewollt gewesen? Dieses Dämonenbiest ließ sie doch zu gern in solch unglückliche Situationen schlittern! „Tut mir leid...“ Die Worte kamen zögerlich. Nicht, weil es ihr egal war, sondern weil sie sich unsicher war, ob er sich noch in sie und ihre "bessere" Hälfte erinnern konnte. Erst danach hob sie den Blick vollständig, begegnete seinen Augen für einen kurzen Moment und fügte nach einer kleinen Pause mit derselben schlichten Ehrlichkeit hinzu, die sie auch sonst nie besonders gut verbergen konnte: „Ich war das nicht, es war Lamia.“ Hatte sie nicht genau das Gleiche bei ihrer letzten Begegnung gesagt, als Lamia das Massaker in der Gasse angerichtet hatte? Fast musste Hope innerlich bitter auflachen, aber nur fast. Einen Herzschlag lang blieb sie schweigend stehen, während ihre ausgestreckte Hand mit der Rolex noch immer reglos zwischen ihnen verharrte. Erst nach einigen Sekunden legte sie sie auf seinen Schreibtisch, während ihr Blick für einen kurzen Moment über den dunklen Boden glitt. „...Ich erinnere mich an dich.“ Natürlich tat sie das. Er hatte sie gerettet und sie hatte sich gefragt, warum er sie nicht getötet hatte. Ihre Stimme war kaum mehr als ein ruhiges Murmeln, unsicher und zugleich nachdenklich, als würde sie die Erinnerung selbst erst wieder vorsichtig zwischen ihren Gedanken hervorholen. „Von damals.“ Unwillkürlich kehrten für den Bruchteil einer Sekunde Bilder zurück, die sie längst nicht mehr bewusst hervorrief und die dennoch niemals ganz verschwanden: das kalte Pflaster der Gasse, der metallische Geruch von Blut, Lamias grausame Zufriedenheit... und schließlich das verschwommene Gesicht des Mannes, von dem sie damals geglaubt hatte, er würde ihrem Leben den letzten, unausweichlichen Abschluss geben. Stattdessen war sie wieder aufgewacht, lebend. Langsam hob Hope den Blick wieder ein Stück an, begegnete seinen Augen jedoch nur für einen flüchtigen Moment, bevor sie sie ebenso schnell wieder senkte. „Ich... dachte nicht, dass wir uns noch einmal begegnen würden.“ Ihre Lider flatterten und sie presste ihre Lippen aufeinander, ohne durchblicken lassen zu wollen, dass sie sich gerade in einer ziemlich unglücklichen Situation befand. Sie musste mal wieder hinter ihrer dämonischen Hälfte herräumen, es wieder in Ordnung bringen. RE: the uninvited guest - Mammon - 04.07.2026 Natürlich hatte Mammon keine Eile. Wieso auch? Es gab ja nicht gerade viele Fluchtwege. Zurück zum Aufzug? Tja… dann müsste der kleine Dieb ja an Mammon vorbei und das war schwierig. Natürlich gab es auch irgendwo noch diese Treppe, falls mal ein Feuer ausbrach. Gesetz und so, aber ehrlich… auch da wäre Mammon im Weg gewesen. Nun und dann wäre nur noch die Option Richtung Balkon, der rundherum ging. Aber wie von da runter kommen? Es war ziemlich hoch hier. Ein normaler Sterblicher würde das sicher nicht überleben. Also… ja, wieso sollte er da es eilig haben? Wieso sollte er da in Panik ausbrechen? Nein, lieber genoss er sein Glas Scotch und spielte ganz in Ruhe auf seinem Klavier. Auch seine Worte, die direkt an den Eindringling gerichtet waren, hatten keinerlei Panik oder waren besonders aggressiv. Zumindest nicht der Tonfall, denn Mammon hatte mit seinen Worten schon deutlich gemacht, dass es dafür Konsequenzen geben würde. Nachdem seine Worte geendet hatten, spielte er einfach weiter und wartete. Er hatte ja Zeit, aber wie sah es bei seinem ungebetenen Gast aus? Tja und das Warten zahlte sich schließlich aus. Eine zierliche junge Damen erhob sich hinter seinem Schreibtisch. Ja nicht gerade ein originelles Versteck, wenn man Mammon fragte. Aber gut, er wurde ja auch nicht gefragt. Mammon sah sie, hörte aber noch nicht mit dem Spielen auf, auch wenn seine Augen schon anfingen, den Eindringling von unten bis oben zu mustern. Moment… kannte er sie nicht? Just in diesem Moment hörten auch seine Finger auf zu spielen und sofort wurde es still im Raum. Seine kleine Diebin hob nun ihre Hand mit der Rolex und streckte diese ihm entgegen mit den Worten, dass diese ihm ja gehöre. Mammon hingegen stand nun auf und schnappte sich ganz entspannt sein Glas um dann halb um seinen Flügel herumzugehen und sich schließlich dann ganz elegant an sein Instrument zu lehnen. Sein Blick ruhte dabei die ganze Zeit auf ihr und man sah nun ein leichtes Grinsen auf seinen Lippen. Dann trank er noch einen Schluck, ehe er nun endlich das Wort an sie richtete und mit der freien Hand schließlich abwinkte. “Behalt die Uhr. Ist von irgendeinem Mafiaboss, der damit versucht seine Schuld, die ihm irgendwann blüht, abzumildern.” Teilte er ihr ganz unverfroren mit. Mammon konnte durchaus spendabel sein und hätte er nicht Kisai an seiner Seite, nun… vielleicht wäre dann durchaus mal das Geld knapp geworden, aber so… Er konnte es sich leisten. Dann drückte er sich ab und ging nun auf Hope/Lamia zu. Seine Schritte waren ebenso voller Selbstbewusstsein und Macht. Seine Hand, die nicht das Glas hielt, glitt in seine Hosentasche. Direkt vor ihr blieb er dann stehen, nahm erneut einen kleinen Schluck und blickte sie von oben herab an. “Und ich mich an dich, kleines Mädchen, die als Hülle für einen Dämon dient.” Ja, das hatte er sich durchaus gemerkt gehabt. Ihren Namen nicht, aber hey, Namen waren nun auch wirklich nicht so wichtig, wie das, was Personen eigentlich konnten, oder? “Und ich dachte, dass dein Dämon dich endgültig übernommen hat, aber da lagen wir wohl beide falsch.” Meinte er unbeeindruckt und leerte schließlich sein Glas. Er wendete ihr dann den Rücken zu und ging erneut zur Bar, um sein Glas neu zu füllen, aber auch, um ein weiteres Glas mit Scotch zu befüllen. Mit beiden Gläsern ging er dann zurück und hielt ihr eines hin. “Also… warum ist dein Dämon hier eingedrungen und noch die viel wichtigere Frage ist, wieso hat mein Security dich nicht aufgehalten.” RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 06.07.2026 Hope blinzelte irritiert, als Mammon ihr mit einer beiläufigen Handbewegung bedeutete, die Rolex zu behalten, und für einen kurzen Moment glaubte sie tatsächlich, sich verhört zu haben. Ihr Blick glitt beinahe automatisch auf die Uhr hinab, deren silbernes Metall im gedämpften Licht des Penthouses matt schimmerte, bevor er ebenso langsam wieder zu ihm zurückwanderte. Sie drehte sie gedankenverloren zwischen ihren Fingern, als ließe sich dadurch irgendeine andere Erklärung finden, doch je länger sie darüber nachdachte, desto weniger ergab das Gesagte für sie einen Sinn. „...Aber sie gehört dir.“ Es war weder ein Widerspruch noch der Versuch, höflich zu sein. Vielmehr klang es wie eine schlichte Feststellung, die sich ihrer Logik nach nicht dadurch verändern konnte, dass jemand sie anders bewertete. Lamia hatte sie gestohlen. Also gehörte sie weiterhin ihrem Besitzer. Alles andere erschien Hope unnötig kompliziert. Ja, sie stahl ebenfalls, aber nur, wenn es ihr Körper verlangte und sie Hunger hatte. Und wie auch immer, Lamia hatte dafür gesorgt, dass sie sich gesättigt fühlte. Erst als Mammon sich in Bewegung setzte und mit jener ruhigen Selbstverständlichkeit auf sie zukam, die ihr bereits bei ihrer ersten Begegnung unangenehm aufgefallen war, hob sie den Kopf wieder vollständig. Es war nicht seine Größe, die sie innehalten ließ, auch nicht sein selbstbewusster Gang oder die Tatsache, dass er der Sohn des Teufels war. Es war vielmehr diese beinahe greifbare Gewissheit, mit der er sich bewegte, als müsste er niemals darüber nachdenken, ob ihm jemand gefährlich werden könnte. Hoffnung war ihr Leben lang mit Menschen begegnet, die Macht laut demonstrieren mussten, indem sie schrien, zuschlugen oder Angst verbreiteten. Mammon tat nichts davon. Er musste es nicht. Gerade das machte seine Gegenwart schwer auszuhalten. Eine Hülle. Das Wort blieb irgendwo zwischen ihren Gedanken hängen. Nicht, weil es sie verletzte, sondern weil es erschreckend präzise war. Wie oft hatte sie selbst schon den Eindruck gehabt, lediglich der Körper zu sein, den Lamia benutzte, wenn ihr danach war? Wie oft war sie an Orten aufgewacht, die sie nie betreten hatte, mit Blut an ihren Händen oder Erinnerungen, die sich anfühlten, als hätte jemand anderes sie erlebt? Vielleicht war Hülle tatsächlich das treffendste Wort dafür. Als Mammon schließlich vor ihr stehen blieb und ihr wenig später sogar ein Glas Scotch entgegenhielt, wanderte ihr Blick zunächst zu dem bernsteinfarbenen Inhalt, anschließend wieder in sein Gesicht und schließlich erneut zurück zu dem Glas. Mehrere Sekunden verstrichen, ohne dass sie die Hand danach ausstreckte. „Ich… ich trinke nicht.“ Die Antwort kam ruhig, beinahe sachlich. Lamia sehr wohl, denn Hope hatte immer noch den leichten Geschmack eines Cocktails im Mund. „Ich verliere auch ohne Alkohol oft genug die Kontrolle und… ich schmecke sie immer noch.“ Erst nachdem die Worte ausgesprochen waren, bemerkte sie selbst, wie trocken sie geklungen hatten. Fast hätte sie sich dafür entschuldigt, ließ es jedoch bleiben. Entschuldigungen hatten in ihrem Leben selten etwas verändert. Stattdessen glitt ihr Blick erneut auf die Rolex. „Ich glaube nicht, dass Lamia deshalb hier war.“ Langsam schüttelte sie den Kopf. „Sie... plant solche Dinge nicht.“ Es fiel ihr schwer, Lamias Verhalten zu erklären, weil sie es selbst kaum verstand. Die uralte Dämonin folgte keinem Ziel, keinem größeren Plan und schon gar keiner Vernunft. Sie ließ sich treiben wie ein Sturm, der einmal hier einen Ast abriss und ein paar Straßen weiter ein ganzes Dach mit sich nahm, ohne zwischen beidem einen Unterschied zu machen. „Wenn sie etwas interessant findet, tut sie es einfach.“ Eine kurze Pause entstand. „Manchmal bringt sie Menschen um.“ Ihre Stimme blieb erschreckend ruhig. „Manchmal tanzt sie.“ Wieder glitt ihr Blick flüchtig durch das Penthouse. „...Und manchmal stiehlt sie eine Uhr.“ Für einen kaum wahrnehmbaren Augenblick zuckte ein Mundwinkel, allerdings nicht zu einem Lächeln, sondern zu jenem bitteren Anflug von Selbstironie, der Hope in den vergangenen Jahren immer häufiger begleitet hatte. „Es ergibt selten Sinn.“ Auf seine zweite Frage hin schüttelte sie erneut leicht den Kopf. „Mich hat deine Security nicht vorbeigelassen.“ Erst jetzt hob sie den Blick wieder zu ihm. „Lamia.“ Es war ein kleiner Unterschied, für Hope allerdings ein entscheidender. Sie selbst hätte keinerlei Grund gesehen, dieses Risiko einzugehen, zumal sie sich auch nicht so in dem Stil von der Dämonin bewegen konnte. Zwar war sie durchaus leichtfüßig, doch sie suchte nicht die Schwierigkeiten – im Gegensatz zu ihrer Dämonin. „Sie bewegt sich anders als ich. Menschen achten auf sie. Und gleichzeitig... übersehen sie sie genau dann, wenn sie es will.“ Sie wusste nicht, wie Lamia das schaffte. Vielleicht war es Charisma. Vielleicht uralte dämonische Magie. Vielleicht auch einfach die Fähigkeit, Menschen genau das sehen zu lassen, was sie sehen wollten. Oder einfach nur den sekündlichen, passenden Moment abzupassen. Hope konnte das nicht. Sie wurde entweder übersehen, weil sie still war, oder angestarrt, wenn Lamia ihren Körper trug. Einen Moment lang blieb ihr Blick noch auf der Rolex ruhen, als suche sie nach einer Möglichkeit, sich der Entscheidung irgendwie zu entziehen. Schließlich schloss sie die Finger langsam wieder um das kühle Metall und ließ die Hand sinken. „...Danke.“ Für einen kaum wahrnehmbaren Moment blieb ihr Blick an seinem Gesicht hängen, als suche sie dort irgendeinen Hinweis darauf, weshalb ausgerechnet der Sohn des Teufels ihr etwas schenkte, während Menschen in ihrem bisherigen Leben fast immer zuerst genommen hatten. Das Wort verließ schließlich ihre Lippen beinahe zögerlich, als sei sie es nicht gewohnt, überhaupt etwas anzunehmen, ohne dafür früher oder später einen Preis bezahlen zu müssen. Noch immer verstand sie nicht, weshalb Mammon ihr die Uhr überließ, zumal sie den Eindruck hatte, dass sie ihm durchaus etwas bedeutete – selbst wenn es lediglich die Erinnerung an einen abgeschlossenen Deal war. In Hopes Welt verschenkte kaum jemand etwas aus bloßer Großzügigkeit. Irgendwann folgte fast immer eine Gegenleistung, eine Erwartung oder eine Schuld, die plötzlich eingefordert wurde. Einen flüchtigen Moment lang huschte ihr Blick beinahe prüfend zu ihm hinüber, als versuche sie abzuschätzen, ob dieser Preis bereits feststand oder erst irgendwann in der Zukunft auftauchen würde. Schließlich entschied sie sich jedoch dagegen, weiter darauf zu beharren. Wenn er ihr die Uhr überlassen wollte, würde ein erneuter Widerspruch vermutlich nur unhöflich wirken. Vorsichtig ließ sie die Rolex schließlich wieder in der kleinen Handtasche verschwinden, allerdings mit einer Sorgfalt, die eher den Eindruck vermittelte, sie verwahre einen Gegenstand für jemand anderen, als dass sie ihn nun tatsächlich als ihren eigenen betrachtete. RE: the uninvited guest - Mammon - 06.07.2026 “Es war ein Geschenk an mich, um mich zu beeinflussen und ehrlich gesagt kann ich das nicht leiden.” Gab er zu. “Außerdem hab ich davon schon Einige. Erstaunlich, dass diese Menschen doch immer wieder glauben, dass man damit jemanden beeindrucken kann.” Meinte Mammon dann doch eher unbeeindruckt. Vielleicht war es für Erdlinge insbesondere Menschen etwas beeindruckendes soetwas, wie eine Rolex zu bekommen. Doch Mammon war nicht nur ein Mensch. Er war ein Nephilim! Halb Engel, halb Mensch, auch wenn er sich selbst eher als Engel oder besser gesagt gefallener Engel sah, der nie gefallen war. Der Teufel hat viel dahingehend investiert, dass Mammon glaubte, keine Gefühle zu haben. Ok… mittlerweile hatte er das Gefühl, dass sein Vater ihn dahingehend belogen hatte. Wenn er keine Gefühle hatte, wie konnte es dann sein, dass er sich um seine Schwester gesorgt hatte, als es ihr so schlecht ging? Wie konnte es dann sein, dass er dieses Kribbeln im Bauch hatte, wenn Fred in der Nähe war? Aber das war ein anderes Thema. Mammon hatte inzwischen nicht nur sein Glas erneut gefüllt, sondern auch ihr ein Glas befüllt und ihr entgegengehalten. Doch anstatt, dass sie es annahm, lehnte sie ab. Sie lehnte solch ein edles Getränk wirklich ab! Ihre Begründung konnte nicht lächerlich sein. Da war es wieder… diese Steifheit und Vernunft der Erdlinge. Mammon konnte nur verständnislos mit den Augen rollen und sich ein Seufzen nicht verkneifen. “Tse… dann verlierst du halt die Kontrolle. Na und! Gib dich doch deiner tiefsten Sehnsucht hin.” Meinte Mammon dann und trank erst das eine Glas auf Ex aus und stellte es auf den kleinen Couchtisch und wandte sich dann wieder zu ihr. “Das werd ich wohl nie verstehen… diese Vernunft immer…” Erneut ein Kopfschütteln. Tse… gerade vor ein paar Tagen hatte ja auch Fred so etwas Ähnliches gesagt gehabt. Wohl etwas, was ihn eindeutig von so viele hier auf der Erde unterschied. Vielleicht lag es an seiner Heimat, an seinem Status oder seinen Fähigkeiten. Wie dem auch sei, er verstand es einfach nicht. Natürlich interessierte es ihn, was sie hier machte oder ihr Dämon oder wer auch nun immer an der Reihe gewesen war, als sie hier oben in seinen vier Wänden gelandet war. Was sie da erzählte, also über ihre Dämonin, schien für sie keinen Sinn zu machen. Mammon hingegen fing nun an wissend zu grinsen. Er hatte da so eine Ahnung. “Natürlich ergibt das Sinn.” Sprach er leicht überheblich. “Im Gegensatz zu dir gibt sie sich ganz ihren Begierden hin. Sie nimmt sich, was sie gerade will und sie macht das, was sie will.” War das etwa nicht offensichtlich? Für ihn schon. Er konnte dieses Verhalten durchaus nachvollziehen und ja, es ergab für ihn durchaus Sinn. Was seine Security anging, nun er fragte sich schon, wie sie es geschafft hatte. Eigentlich hatte der Teufelssohn nämlich geglaubt, dass sein Team dahingehend ganz gut war, aber jetzt stellte sich heraus, dass dem nicht so war. “Wer auch immer von euch beiden.” Winkte er dann ab. “Ich sollte definitiv nochmal mit der Security darüber sprechen.” Inwiefern dieses “sprechen” aussah, war noch dahingestellt. Nur, er wusste, dass es besser gestern als heute passieren sollte. In nicht einmal 5 Tagen würde der erste Abend sein, an dem die Käfigkämpfe stattfanden. Da musste alles glatt laufen! Es war der Abend, an dem er seine Schulden bei Wolfram & Hart beglich! Aber gut, auch das war ein Thema, das jetzt nicht hierher gehörte. Danke? Sie bedankte sich? Mammon hob eine Augenbraue und sah sie an. “Glaub ja nicht, dass ich deshalb jetzt jemand bin, der das einfach so macht.” Meinte Mammon. “Ich bin immer noch der Sohn des Teufels und niemand, der aus Mitleid jemand irgendetwas schenkt und dafür einen Dank erwartet.” Dieses Danke löst irgendwie etwas in ihm aus. Es fühlte sich… falsch an, zumindest im Zusammenhang mit seiner Person. “Also nimm dieses verdammte Danke zurück und behalt es einfach für dich. Wir wollen ja nicht, dass jeder dahergelaufene gleich denkt, dass ich so großzügig geworden bin.” Ja, man merkte ihm gerade deutlich an, dass es ihm absolut nicht gefiel. Es fühlte sich so… menschlich an. Bei Fred wiederum war es wieder etwas Anderes. Ja, es war auch seltsam, aber in ihrer Gegenwart fühlte sich diese Seite irgendwie… gut an. Hier in diesem Fall absolut gar nicht. Er war immer noch jemand, der sich in der Hölle wohl gefühlt hatte und immer noch jemand, der eher jemanden foltern würde als jemandem eine Spende zukommen lassen würde. “Und? Welche Strafe würdest du dir selbst geben?” Fragte er dann. Ja, er hatte ihr die Uhr überlassen, aber sie war dennoch in seine Privatsphäre eingedrungen, auch wenn es so etwas nicht wirklich für Höllenwesen gab. Sie waren schließlich offen in jeglicher Hinsicht, auch wenn das Körperliche anging. Es hätte also auch passieren können, dass er hier gewesen wäre und nackt wäre, während sie den Weg hier hoch gefunden hätte. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 07.07.2026 Ohne ihn dabei zu unterbrechen, hörte Hope ihm aufmerksam zu, während ihre Finger die kleine Handtasche beinahe unbewusst etwas näher an sich zogen. Ebenso wie er nicht verstand, dass sie sein Getränk ablehnte, verstand sie ebenso wenig, weshalb jemand freiwillig etwas verschenkte, das offensichtlich wertvoll war, nur weil derjenige, von dem es stammte, ihm nicht gefiel. Gleichzeitig passte es merkwürdigerweise zu ihm. Schon damals hatte er sie nicht einfach sterben lassen, obwohl das vermutlich deutlich unkomplizierter gewesen wäre. Vielleicht dachte jemand wie Mammon tatsächlich einfach anders. Vielleicht war das auch nur etwas, das sie niemals verstehen würde. Seine Reaktion auf den Scotch ließ sie kaum merklich die Stirn runzeln. Langsam schüttelte sie den Kopf. „...Ich hab das schon einmal versucht.“ Ihre Stimme blieb ruhig, beinahe nüchtern. „War keine besonders gute Idee.“ Einen kurzen Moment senkte sie den Blick. „Den Preis zahl ich hinterher trotzdem.“ Bei dem Gedanken an die Massaker, die Lamia bereits schon angerichtet hatte, wurde ihr erneut leicht übel. So einfach, wie Mammon es beschrieb, war es wahrlich nicht! Vielleicht löste der Alkohol gewisse Hemmungen und weichte Moralvorstellungen auf… aber eben nur für den Moment. Was danach kam, war für Hope alles andere als angenehm. Seine Erklärung über Lamia beschäftigte sie einige Sekunden länger. „Vielleicht“, antwortete sie schließlich leise. Sie wusste selbst nicht, ob er recht hatte oder nicht. „Ich hab nie versucht zu verstehen, warum sie macht, was sie macht.“ Ihr Blick glitt kurz zu der kleinen Handtasche. „...Irgendjemand muss hinter ihr aufräumen. Sie macht's jedenfalls nicht.“ Wieder hob sie den Blick vorsichtig an. „Ich wach schon oft genug mit dem Echo ihrer Gefühle auf. Das reicht mir eigentlich.“ Mehr wollte sie über Lamia gar nicht wissen. Der Gedanke, ihre Dämonin irgendwann wirklich zu verstehen, fühlte sich gefährlicher an als alles, was diese ihr bislang angetan hatte. „Abgesehen davon habe ich mich schon lange nicht mehr mit anderen Bedürfnissen beschäftigen können als Trinken, Essen und Schlafen zu können. Und nicht von den Cops einkassiert zu werden, weil Lamia mal wieder ihren Begierden gefolgt ist.“ Sie lachte nasal, es war so viel Bitterkeit darin enthalten, dass man nur erahnen konnte, wie schwer es für sie sein musste, die Konsequenzen des Handelns ihrer Dämonin tragen zu müssen. Seine beinahe ungehaltene Reaktion auf ihr Dankeschön ließ Hope irritiert blinzeln und sich unsicher von einem Fuß auf den anderen bewegen. Okay, ein Dankschön war für Mammon keine positive Äußerung? Langsam nickte sie. „...In Ordnung.“ Mehr sagte sie dazu nicht. Das Danke zurücknehmen konnte sie ohnehin nicht mehr. Einen Moment betrachtete sie die Rolex erneut. Noch immer fühlte es sich falsch an, sie zu behalten, gleichzeitig wollte sie ihn nicht erneut vor den Kopf stoßen. Schließlich ließ sie sie vorsichtig wieder in der kleinen Handtasche verschwinden. Irgendwo tief in ihr blieb dennoch dieses vertraute Misstrauen bestehen. In ihrem bisherigen Leben hatte kaum jemand etwas verschenkt, ohne irgendwann doch noch etwas dafür zu verlangen. Vielleicht war Mammon eine Ausnahme. Vielleicht kam der Preis einfach später. Erst seine letzte Frage brachte sie wirklich ins Stocken. Eine Strafe. Unwillkürlich glitt ihr Blick durch das Penthouse, ehe er wieder bei ihm hängen blieb. „Ich wurde… oft genug bestraft.“ Ein leises Schulterzucken folgte. „Lamia war danach trotzdem noch da.“ Ihre Stimme klang weder verbittert noch vorwurfsvoll. Es war lediglich eine Feststellung. „Hat sie nie besonders beeindruckt.“ Nach kurzem Nachdenken fügte sie leiser hinzu: „Ich würd einfach versuchen, den Schaden kleiner zu machen. Mehr fällt mir ehrlich gesagt nicht ein.“ Für einige Augenblicke breitete sich erneut Stille zwischen ihnen aus. Hope wusste nicht mehr, wann sie zuletzt mit jemandem gesprochen hatte, ohne jederzeit damit zu rechnen, dass das Gespräch plötzlich in Gewalt umschlagen würde. Ihr Blick glitt erneut zu dem Glas Scotch. Zögernd sah sie erst zu Mammon, dann wieder auf das Glas, als wollte sie sich vergewissern, dass sich seine Meinung nicht inzwischen geändert hatte. Erst danach nahm sie es vorsichtig entgegen. Sie trank nicht, stattdessen hob sie das Glas lediglich an die Nase und roch daran. „Es riecht vermutlich besser als es schmeckt...“, lautete ihr zögerliches Urteil. „Lamia mochte ihn.“ Fast hätte sie gelächelt, doch es war lediglich ein Zucken um ihre Mundwinkel herum zu beobachten. Reglos blieb sie einen Augenblick stehen. Ihr Blick glitt zu Mammon hinüber, als ringe sie mit sich selbst. Sie hatte das Glas schließlich angenommen. Es nun einfach wieder abzustellen, ohne wenigstens einen Schluck probiert zu haben, erschien ihr plötzlich ebenso unhöflich wie ihr vorheriges Ablehnen. Zögernd hob sie daher das Glas schließlich ein kleines Stück an die Lippen und nahm einen äußerst vorsichtigen Schluck. Die Wärme des Alkohols breitete sich augenblicklich in ihrem Mund aus und ließ sie unwillkürlich leicht das Gesicht verziehen, ehe sie den Scotch wieder sinken ließ. „...Nein… ich glaube, das wäre keine gute Idee.“ Ein kaum hörbares Ausatmen folgte und sie blickte ihn noch einmal unsicher an. Behutsam trat sie zum Flügel hinüber, wobei sie Mammon unwillkürlich noch einmal ansah, bevor sie das Glas mit sichtbarer Vorsicht auf der glänzenden Oberfläche abstellte. Ihre Fingerspitzen schwebten einen Augenblick über den Tasten, ohne sie tatsächlich zu berühren. Es war nicht ihr Instrument und nicht ihre Wohnung, sie hatte sichtbare Ehrfurcht vor all dem Wert, den sie gerade umgab. Sonst kannte sie ihr zugiges, verstaubtes Traffo-Häuschen, ihr Deckenlager, das harte Schlafen. Und die Kälte, die sie in diesem Moment umgab. „Ich… ich hätte nicht erwartet, dich dort sitzen zu sehen.“ Ihr Puls beschleunigte sich etwas dabei. War es Mammons Autorität, die er ausstrahlte? Die Unsicherheit, absolut nicht zu wissen, wie er darauf reagieren würde? Kurzzeitig überlegte sie, ob es gut gewesen war, so etwas überhaupt zu fragen, doch sie war immerhin gerade bei einem Einbruch erwischt worden. Hatte sie da überhaupt das Recht, neugierig zu sein? Sie schwieg einen Moment, ehe sie den Blick wieder vorsichtig zu ihm hob. „Ich… ich hab ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dir noch einmal zu begegnen.“ Eine kleine Pause entstand. „Und falls doch... dann nicht so.“ RE: the uninvited guest - Mammon - 11.07.2026 Die Kleine redete davon, dass sie es schon einmal probiert hatte, also sich einfach ihren Begierden hingegeben hatte und sie dennoch dafür den Preis bezahlen musste. “Wenigstens hattest du aber davor Spaß gehabt.” Meinte Mammon trocken, der nicht verstand, wie man einfach die Geisel der eigenen Vernunft werden konnte. Ja, vielleicht war das so eine Sache, die er nie verstehen konnte. Dafür konnte ja Hope anscheinend nicht verstehen, wieso ihre Dämonin so war, wie sie eben war. Das wiederum konnte jedoch der Teufelssohn wieder nachvollziehen. Ob es wirklich daran lag, dass sie an verschiedenen Orten aufgewachsen waren und auch zur Hälfte verschiedene Wesen waren? Er war in der Hölle aufgewachsen, wo man so etwas wie Vernunft einfach nicht hatte. Ja, man wusste durchaus, wer über einem stand, aber deswegen vernünftig handeln? Hallo?! Natürlich nicht! Verdorbene Seelen mussten gefoltert werden oder einfach Personen, die einfach Pech gehabt hatten, ob nun zur falschen Zeit am falschen Ort oder weil jemand sie einfach auserwählt hatte, warum auch immer. In den meisten Fällen gab man sich eben seinen Begierden hin und hatte einfach Spaß. In der Hölle war man weit weg von Besitzansprüchen, Scham, Mitgefühl oder eben Vernunft. Tja und Hope? Sie war ein zerbrechlicher Mensch, Gottes Spielzeug, wie man so schön sagte. Hier auf Erden geboren und aufgewachsen mit dem Fluch oder Segen - vermutlich wen man gerade fragte - eine Hülle für Dämonen zu sein oder in ihrem Fall Lamia. Hier auf Erden und gerade was Menschen angingen, war das Leben doch anders. Nur die wenigstens gaben sich ihrer Begierden und Sehnsüchten hin und auch nicht viele wussten wirklich, was sie sich wirklich tief im Inneren wirklich wünschten oder begehrten. Aber das war ein anderes Thema. Fakt war, dass viele vernünftig waren, lieber verzichteten anstelle zu nehmen. Nein, das verstand Mammon (noch) nicht. “Warum muss jemand hinter ihr her räumen? Was kümmerte es deiner Dämonin oder dich, was sie anstellt? Sie ist ihren Begierden nachgegangen und hatte somit Spaß.” Meinte Mammon schulterzuckend, weil er das Problem einfach nicht verstand. “Im Übrigen können auch Menschen Spaß haben, falls du das nicht wusstest.” Gab er ihr den Tipp. Lamia schien eben eine richtige Dämonin zu sein, wie er sie eben aus seiner Heimat kannte. Kurz war da dieses Gefühl, dass man wohl soetwas, wie Heimweh in der Menschenwelt nannte. Doch ehrlicherweise hatte sich der Teufelssohn immer mehr damit arrangiert, hier auf der Erde zu bleiben. Ja, ihm gefiel es immer besser hier. “Weißt du überhaupt, was du gerade am meisten begehrst oder dir wünschst?" Fragte er sie und nun sah man ein teuflisches Grinsen auf seinen Lippen. “Ich kann es aus dir herauskitzeln.” Ja, das konnte er wirklich, denn er hatte schon seit einer Weile seine Kräfte wieder. Ein Umstand, der ihm wirklich gefiel. Nur bei Fred schien es noch immer nicht zu klappen bzw. hatte er nach diesem einen Mal es bisher nie wieder probiert gehabt, vielleicht… Das mit dem Danke hatte er gleich mal klargestellt. Er war ein Gutsnephilim! Er war Mammon, der Teufelssohn! Damit das mal klar war. Sie sollte einfach diese verdammte Rolex einstecken und dann war gut! Das hieß natürlich jedoch nicht, dass sie einfach so davon kam. Die Uhr war eine Sache, sich an seiner Security und in seinen vier Wänden einfach so einzudringen, war dann doch eine andere Sache. Mammon war neugierig, wie sie sich selbst bestrafen würde. Mammon verdrehte die Augen. “Es ist mir egal, ob du oft bestraft wurdest und ob deine dämonische Freundin das beeindruckt hat oder nicht. Ich hab gefragt, welche Strafe du dir selbst geben würdest.” Doch das Einzige, was ihr einfiel war, dass sie versuchen würde den Schaden zu minimieren. “Wow, wie einfallsreich.” Meinte Mammon und hörte, dass er dies eher gegenteilig meinte. “Weißt du was? Du stehst jetzt in meiner Schuld. Nicht wegen der Uhr, sondern weil du hier einfach in meine Penthousewohnung eingedrungen bist.” Erklärte Mammon. “Und wie bei jedem, der in meiner Schuld steht, werde ich diese irgendwann einfordern.” Ja, so würde er es machen. Was es dann sein würde, nun… das zu gegebenen Zeit. Und dann nahm sie doch noch das Glas an. Erst roch sie daran und es war ihm im Grunde egal, ob es der Dämonin gefallen würde, denn im Moment war ja Hope hier und nicht Lamia. Tja und dann dauerte es noch eine kleine Weile, aber dann probierte die junge Frau schließlich doch noch. Amüsiert sah Mammon das Verziehen des Gesichts, ehe Hope dann meinte, dass es keine gute Idee wäre. “Was denn? Weil du Angst hast, dass er dir dennoch schmeckt, du ihn dir aber nicht leisten könntest oder weil du Angst davor hast, dass du durch ein wenig Alkohol lockerer wirst?” Fragte er mit einem nun breiten Grinsen. Als sie dann zu seinem Flügel hinüber ging, beobachtete sie ganz genau. Er liebte dieses Instrument und sicher war Hope klug genug, sehr vorsichtig damit zu sein. Mammon schritt ebenfalls zu Flügel und blieb daneben stehen. Sicher, war sicher! Eine Augenbraue ging nach oben, als Hope meinte, dass sie nicht erwartet hätte, ihn dort sitzen zu sehen. “Wieso nicht? Hast du etwa geglaubt, dass der Teufelssohn keinen Sinn für Musik hat?” Was ja nicht so abwegig wäre. In der Hölle hatte ihm sein Dad das schließlich sehr schnell verboten gehabt. Ein Umstand, der ihm sehr missfiel, umso glücklicher war Mammon seiner Leidenschaft nun wieder nachzugehen und hey, Daddy hatte unrecht damit, dass es nutzlos war. Mit Musik erreichte er durchaus mehr Menschen als gedacht. „Ich… ich hab ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dir noch einmal zu begegnen." Erneut ging eine Augenbraue nach oben. “Du wiederholst dich, Kleines.” Meinte er nur und da die Gefahr ein wenig geringer war, dass sie einfach so seinen Flügel zerstörte, holte er erneut die Scotchflasche um sein Glas zu füllen und deutete Hope an, ob sie auch noch was wollte. Vermutlich nicht, aber keiner sollte behaupten, dass er ein schlechter Gastgeber war. Mit dem nun wieder gefülltem Glas, kehrte Mammon wieder zurück zum Flügel und sah Hope nun neugierig an. “Wie denn sonst?” RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 13.07.2026 Dass Mammon den Gedanken an Lamias Blutrausch mit einer solchen Selbstverständlichkeit auf einen einzigen Moment des Vergnügens herunterbrach, ließ Hope unwillkürlich innehalten. Seine Worte klangen grausam in ihren Ohren, obwohl sie mittlerweile eine gewisse Taubheit dafür besaß und diese gar nicht mehr so richtig an sie heran drang. Obwohl seine Worte dabei ruhig waren – oder vielleicht gerade deswegen? Jedenfalls klangen sie auch so, als ob er es tatsächlich ernst meinte. Nein, sie hatte keinen Spaß gehabt, denn sie war nun einmal nicht am Steuer gewesen. Und auch heute Abend wäre das wohl kaum etwas gewesen, was Hope als "Spaß" bezeichnet hätte. Lamias extrovertierter und fast schon voyeuristischer Charakter stand in einem gänzlichen Gegensatz zu Hopes eher verschlossenen Art und dem Drang, möglichst ungesehen zu bleiben. Doch für ihn schien auch der kurze Augenblick, in dem Lamia ihren Begierden nachgab, etwas völlig Natürliches zu sein. Für einen Moment fragte sich Hope, ob sie beide überhaupt jemals dieselbe Wirklichkeit betrachten könnten, so anders schienen ihre beiden Welten zu sein. Vielleicht war das, was für sie Schuld bedeutete, für Mammon lediglich der Preis eines erfüllten Verlangens. Langsam griff sie nit ihrer beider Hände an ihre entgegengesetzten Unterarme, als bräuchte etwas Halt, und sah schließlich zu ihm auf. „Vielleicht lohnt es sich für sie“, sagte sie leise, ohne jede Überzeugung in der Stimme. „Ich weiß es nicht. Ich bekomme diesen Teil ja nie… so richtig… mit.“ Innerlich seufzte sie und wünschte sich, dass sie nicht einmal schemenhaft Erinnerungen über Lamias Taten haben möge. Doch das war nur ein frommer Wunsch, zu oft schlichen sich diese in Form von Alpträumen in ihren Kopf und die Grenze zwischen ihr und ihrer Dämonin schien darin regelmäßig zu verschwimmen. Es war daher ein schmales und müdes Lächeln, welches sich auf ihre Lippenstahl und sogleich darauf wieder verschwand. „Wenn ich zu mir komme, ist immer schon alles vorbei. Du erinnerst dich an die Gasse?“ Sie tat es jetzt gerade, schärfer und aktueller denn je, und genauso fest blickt sie den Sohn des Teufels an, obwohl sie von Selbstsicherheit meilenweit entfernt war. „Dann bleiben bloß die Erinnerungen daran, was sie getan hat. Das Blut, die Schreie… und das Entsetzen in den Gesichtern der Menschen, die mich ansehen, obwohl sie eigentlich sie meinen. Und egal, wie oft ich mir danach die Hände wasche…“ Sie hob die Hand einen Moment an, betrachtete ihre Finger, als könnte sie dort noch immer etwas entdecken, das längst nicht mehr vorhanden war, bevor sie anfing, diese mit der anderen leicht zu reiben. „…es gibt Tage, an denen ich trotzdem schwören könnte, dass das Blut noch immer da dran klebt.“ Seine nächste Frage ließ sie den Blick für einen Augenblick wieder sinken. Warum überhaupt jemand hinter Lamia herräumen müsse. Hope atmete leise aus, weil ihr erst in diesem Moment bewusstwurde, wie selbstverständlich diese Aufgabe für sie selbst inzwischen geworden war und mit was für einer Leichtigkeit Mammon diese Frage stellte. Umso schwerer war es gerade für sie. Denn sie hatte nie darüber nachgedacht, ob es überhaupt hätte anders sein können. Es war ein Rhythmus, von dem sie das Gefühl hatte, dass sie ihn schon ihr Leben lang spielte, wie ein Metronom, was bei ihrer Geburt angefangen hatte zu schlagen. „Weil sie nie bleibt“, antwortete sie schließlich ruhig. „Sie nimmt sich, wonach ihr gerade ist, und verschwindet wieder. Irgendjemand muss hinterher die Türen öffnen, wenn die Polizei klopft. Irgendjemand muss die Fragen beantworten, auf die es keine vernünftigen Antworten gibt. Irgendjemand sitzt später in einer Zelle oder einem Verhörzimmer und versucht selbst herauszufinden, was in einer Nacht passiert ist, an die er sich selbst kaum erinnern kann.“ Sie sprach nicht ganz ohne Bitterkeit, und während sie diese Schilderungen wie eine Art Ablauf herunterspulte, war es offensichtlich, dass sie mit "jemandem" sich selbst meinte. Denn es gab nun einmal keine Alternative. Erst als sie den Kopf wieder hob, schlich sich etwas Weicheres in ihre Stimme. „Das ist wohl der eigentliche Unterschied zwischen uns. Lamia muss nie mit dem leben, was sie hinterlässt. Ich schon.“ Ein leises Schnauben entwich ihr, denn die Dunkelhaarige konnte es nicht immer verhindern, die Verachtung gegenüber ihrer inneren Dämonin zumindest in Lauten Luft zu machen. So wirkte es zumindest für einen kurzen Moment so, als hätte sie die Macht über sie – nein, als wäre sie ihr zumindest so etwas wie ebenbürtig. Dass Mammon den Spaß der Menschen mit einer solchen Selbstverständlichkeit erwähnte, ließ Hope zunächst irritiert blinzeln. Für einen kurzen Moment wollte sie ihm widersprechen, einfach weil sich der Gedanke falsch anfühlte. Doch kaum suchte sie nach einer Antwort, bemerkte sie, dass sie gar keine fand. Sie hatte sich diese Frage einfach noch nie gestellt. Spaß war nie etwas gewesen, wonach sie ihr Leben ausgerichtet hatte. Sie hatte gelernt, darauf zu achten, ob eine Nacht ruhig blieb, ob Lamia sich zeigte oder nicht, ob am nächsten Morgen niemand verletzt worden war und ob sie selbst noch wusste, was tatsächlich geschehen war. Dazwischen hatte für solche Gedanken kaum Platz existiert. „Ich... weiß gar nicht, ob ich das vermisse“, sagte sie schließlich langsam mit monotoner Stimme und blickte seit langem wieder auf, während ihre Stirn sich leicht in Falten legte. Die Antwort überraschte sie selbst. Eigentlich hatte sie etwas anderes sagen wollen, doch kaum begann sie zu sprechen, schien sich der Gedanke unter ihren eigenen Worten weiterzuentwickeln, als wenn er plötzlich und unerwartet von jemandem hervorgezogen worden war. Und dieses Gefühl behagte ihr so gar nicht. Dementsprechend stockend kamen ihre Worte anschließend hervor. „Vielleicht… vielleicht hab ich einfach irgendwann… aufgehört, darüber nachzudenken. Es war… irgendwie leichter, sich zu wünschen, dass nichts Schlimmes passiert, als sich zu fragen, was einen eigentlich glücklich macht. Oder… was einem Freude bereitet.“ Sie hielt kurz inne, ohne den Blick von Mammon abzuwenden, und zum ersten Mal beschlich sie das seltsame Gefühl, dass sie ihm gegenüber Dinge aussprach, die sie sich selbst nie so klar eingestanden hatte. Es war ihr unangenehm und sie versuchte dies tunlichst vor ihm zu verbergen. Doch ihr trockener Mund und das stetig nervöse Zucken ihres Augenlides zeigten ihre Nervosität deutlich. Sie presste die Lippen aufeinander, als würde dies die Kontrolle über ihre Gedanken – und auch ihren Körper – wieder zurückbringen. Doch stattdessen krallten sich ihre Finger fast in die Lackierung, hätte sie doch etwas längere Nägel gehabt. So drückten sich lediglich ihre Fingerkuppen auf den Flügel. Was begehrst du? Dies traf Hope unvorbereiteter als alle Fragen bisher zuvor. Sie veranlasste nicht gerade, dass der Mund der Dunkelhaarigen weniger trocken wurde oder dass ihr Augenlid weniger zuckte. Stattdessen merkte Hope, wie sich nun auch ihre Schultern anspannten, sie sich aufrichtete, als müsse sie sich gegen ihn und dem, was er gerade mit ihren Gedanken machte, entgegenstemmen. Selbst ihre feinen Härchen auf den Unterarmen richteten sich auf, obwohl es in den Räumlichkeiten absolut nicht kalt war. Bitte nicht… Ihre Gedanken hallten in ihrem Kopf. Abgesehen von ihrer Verwirrung würde sie in ihrem tiefsten Inneren sicherlich Dinge erkennen, die sie begehrte oder nach denen sie sich sehnte. Doch sie war absolut nicht bereit, genauer hinzuschauen. Der brachiale Verlust aller positiver Gefühle würde über sie hereinbrechen wie eine meterhohe Welle. Ob er genau dies wusste?! Fragte er genau deshalb danach? Unwillig zog sie ihre Augenbrauen zusammen und die sonst eher feinen Gesichtszüge des Mädchens wirkten mit einem Mal deutlich härter. Jahrelang hatte sie sich angewöhnt, ihre eigenen Wünsche so klein werden zu lassen, dass sie kaum noch Platz einnahmen, weil jeder Wunsch auch etwas war, das Lamia gegen sie verwenden konnte. Wenn man nichts begehrte, einem nichts fehlte, konnte einem auch nichts genommen werden – zumindest war dies als Jahren ihr Motto um sich selbst zumindest ansatzweise vor der Dämonin zu schützen. Langsam hob sie den Blick unsicher wieder zu Mammon. „Ich weiß nicht...“, begann sie leise und mit brüchiger Stimme, verstummte jedoch sofort wieder und schloss für einen Moment die Augen. „Nein. Das stimmt nicht.“ Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie spürte, wie ihr eigener Widerstand mit jeder Sekunde instabiler wurde. „Ich weiß es vielleicht. Ich... ich möchte bloß nicht darüber nachdenken.“ Ihre Fingerkuppen ruhten noch immer auf dem dunklen Lack des Flügels, gruben sich so stark in ihn, dass es ihr schmerzte. „Lamia begehrt Macht. Aufmerksamkeit. Sie genießt es, wenn Menschen sie ansehen, selbst dann, wenn sie Angst vor ihr haben. Sie braucht… dieses Gefühl… aber ich…“ Sie brach kurz ab, weil es nun um sie ging. Es war einfacher darüber zu sprechen, was Lamia wollte, denn Hope wusste es besser als bei sich selbst. „…Ich wünsche mir meistens genau das Gegenteil. Ich möchte nicht angesehen werden. Ich möchte irgendwo sitzen können, ohne dass jemand Angst vor mir hat oder mir etwas Schlechtes unterstellt. Ohne dass jemand darauf wartet, dass ich zur nächsten Gefahr werde. Eigentlich… wollte ich nie besonders viel.“ Mit einem Mal hallte das Lachen der Dämonin in Hopes Ohren und sie schrak dadurch unwillkürlich zusammen. Und noch während ihres Lachens formten sich darauf Worte. Süße, du weißt genau, was du begehrst und was dir fehlt. Es knackte leise. Ein Nagel war gebrochen, dadurch, dass sie ihre Kuppen immer mehr auf den Flügel drückte. Wie ein Riss in einer schützenden Hülle, die mehr und mehr zu bersten drohte. Ihre Atmung ging hektisch und abgehackt und der Schmerz zog ihr durch den Finger. War dies gerade Lamia gewesen oder sie selbst, weil die Dämonin es nicht lassen konnte, genüsslich Salz in die Wunde zu streuen? Das teuflische Grinsen auf Mammons Lippen ließ Hope unwillkürlich erstarren. Seit einigen Minuten hatte sie das beunruhigende Gefühl, dass jede seiner Fragen sie weiter dorthin führte, wo sie selbst seit Jahren nicht mehr hinsehen wollte, sie tiefer graben ließ, obwohl sie erfolgreich einen riesigen Berg Erde darüber gekippt hatte. Ich hätte längst schweigen sollen! Warum tu ich es nicht?! Auch der nun abwendende Blick von ihr hatte nicht die gewünschte Wirkung auf sie. Langsam lösten sich ihre Hände von der glatten Oberfläche des Flügels, während sie unbewusst einen kleinen Schritt zurücktrat. Es war eine ausweglose Flucht, es gelang ihr lediglich instinktiv wieder etwas Abstand zwischen sich und dieses merkwürdige Gefühl zu bringen, das sie nicht benennen konnte. „Nein...“, brachte sie schließlich kaum hörbar hervor und schüttelte leicht den Kopf. „Bitte nicht.“ Doch war er nicht schon dabei, all dies aus ihr herauszukitzeln? Hatte sie eine Wahl, oder war es lediglich eine gnädige Ankündigung für etwas, das sowieso schon feststand? Es fühlte sich an, als hätten seine Worte bereits irgendwo in ihr Türen geöffnet, von denen sie geglaubt hatte, sie sicher verschlossen zu haben. Die Frage, welche Strafe sie sich geben würde, versetzte ihr einen Stich. Nicht ins Herz, nein, in ihren Hals. Dort prangte die Narbe, welche die Dämonin ihr einst zugefügt hatte und welche mal lauter und mal leiser nah ihr rief. Ein scharfer Gegenstand… ein präziser Schnitt. Ihre Hand, deren Kuppen sich kurz vorher noch auf den Flügel gedrückt hatten, strich über die Narbe, während sie schlucken musste, doch ihren Blick nicht von dem Sohn des Teufels abwenden konnte. Den Tod. Nein nein nein. Sie konnte es ihm nicht sagen, somit presste sie lediglich ihre Lippen zusammen, während sie versuchte, Lamias hämische Stimme in ihren Ohren zu ignorieren. Als Mammon schließlich beinahe beiläufig erklärte, dass sie nun in seiner Schuld stand, spürte Hope, wie sich etwas tief in ihrer Brust unangenehm zusammenzog. Eigentlich hätte sie überrascht sein müssen, doch sie hatte nie wirklich geglaubt hatte, die Rolex einfach behalten zu dürfen. Irgendwo hatte sie von Anfang an damit gerechnet, dass früher oder später ein Preis folgen würde, eben so ein ganz dezentes, ungutes Gefühl in der Magengegend. Es war immer so gewesen und würde weiterhin immer so sein. Immerhin hatte er ihr selbst gesagt, dass niemand etwas schenkte, ohne irgendwann etwas zurückhaben zu wollen. Langsam senkte sie den Blick auf die Tasche, in der sich die Uhr bereits befand und mit einem Mal wirkte sie deutlich schwerer als gerade eben noch. Die Uhr war gerade lediglich ein Gegenstand gewesen, nun wirkte sie beinahe wie das sichtbare Zeichen einer Verpflichtung, deren Ausmaß sie nicht einmal ansatzweise einschätzen konnte. Ihre Hände krallte sich an den Riemen der Tasche, bis sie diese schließlich von ihrer Schulter nahm und die Tasche lautlos zu Boden ging. Ich hätte sie nicht annehmen sollen..., dachte sie bei sich. Erst danach hob sie den Blick wieder zu ihm, wobei sich ihre Finger inzwischen unbewusst ineinander verschränkt hatten. Die Frage blieb ihr einen Moment im Hals stecken. Sie wollte sie nicht stellen, denn jede Antwort konnte schlimmer sein als das Nichtwissen. „...und wenn ich sie nicht bezahlen kann?“ Ihre Stimme war ruhig, wenn da nicht am Ende der Frage dieses kleine Vibrato gewesen wäre. Auch ihre Augen verrieten in dem Schein des indirekten Lichts ihre Unsicherheit. Für einen kurzen Augenblick glitt ihr Blick wieder zu dem Scotchglas, das noch immer auf dem Flügel stand. Ein schwaches, bitteres Lächeln huschte über ihre Lippen, weil sie selbst merkte, wie sehr Mammon sich mit seiner Frage auf der einen Seite irrte und ihr auf der anderen Seite doch erschreckend nahekam. Ja, Alkohol bedeutete für Hope noch mehr Kontrollverlust als ohnehin schon. Alkohol machte Locker und ließ die Barriere zwischen ihrer Dämonin und dem eigenen Bewusstsein schmaler und brüchiger werden. „Ich glaube nicht, dass ich Angst davor habe, dass er mir schmeckt“, antwortete sie leise und schüttelte kaum merklich den Kopf. Dann hielt hielt sie kurz inne, weil sie spürte, wie sich ihre Gedanken erneut beinahe von selbst weiterschoben. Eigentlich hatte sie lediglich dankend ablehnen wollen. Stattdessen hörte sie sich weitersprechen. „Ich hab Angst davor, nicht mehr aufzupassen.“ Sie schloss kurz die Augen, doch es gelang ihr nicht, ihre Gedanken nur für sich laut werden zu lassen. „Wenn ich damit anfange, diese Wachsamkeit einfach abzulegen... selbst nur für einen Abend...“ Sie brachte den Satz nicht zu Ende, denn die Vorstellung allein genügte bereits, damit sich ihr Magen unangenehm zusammenzog. Nein, es war nicht der Alkohol, vor dem sie Angst hatte, sondern der Gedanke, auch nur für einen einzigen Augenblick die Kontrolle freiwillig aus der Hand zu geben. Als Mammon schließlich beinahe gespielt empört fragte, ob sie tatsächlich geglaubt habe, der Sohn des Teufels könne keinen Sinn für Musik besitzen, löste sich die Anspannung in ihrem Gesicht zumindest für einen flüchtigen Moment und wurde deutlich nachdenklicher, während ihr Blick erneut über den Flügel glitt und schließlich bei den Tasten hängen blieb. „Gibt es… gibt es denn Musik in der Hölle?“ Es war eine ehrliche, interessierte Frage, wohl die erste richtige, die sie an diesem Abend gestellt hatte. „Oder wird man dort gezwungen, ständig schiefe Töne zu hören?“ War es nicht so, dass man dort gefoltert wurde? Sicherlich würde es irgendwann unerträgliche Ohrenschmerzen bereiten. „Aber Musik... fühlt sich auch irgendwie ehrlich an. Sie interessiert sich nicht dafür, wer sie spielt, solange sie gut und mit Gefühl gespielt wird.“ Sie verstummte für einen Augenblick, ehe ihr Blick unwillkürlich wieder auf Mammon fiel. Er wirkte so, als ob sie sich unsicher war, ob sie nun nicht zu viel gesagt hatte. Aber wie sollte sie sich auch diesem mysteriösen Mechanismus entziehen, der ihre Gedanken aus ihr förmlich heraussog? RE: the uninvited guest - Mammon - 22.07.2026 Oh… anscheinend hatte Hope keinerlei Ahnung von Wesen, die in der Hölle lebten. Schuld… tse, dieses Wort gab es nicht im Wortschatz. Ok, schon, aber man hatte einfach keine Schuldgefühle. Dämonen nicht, weil sie keine Seele besaßen und gefallene Engel ebenso wenig, da sie anstelle einer Seele eine Gnade besaßen. Ok, gut, bei Mammon sah das doch etwas Anders aus. Er war ein Nephilim und hatte sowohl Eigenschaften eines (gefallenen) Engels, in seinem Fall vom Teufel, und die eines Menschen. So hatte Mammon keine Gnade, dafür aber eine Seele, wie jeder andere Mensch auch, vorausgesetzt dieser hatte seine Seele noch nciht verkauft. So konnte er im Grunde sehr wohl Schuldgefühle haben, rein theoretisch natürlich, denn sein Vater, Luzifer, hatte sehr viel dafür getan Mammon einzureden, dass er über solchen Gefühlen stand und ja, er hatte dies auch durchaus geschafft, dass Mammon genau dies dachte. Hätte Hope also gefragt, wie es mit seinen Schuldgefühlen stand, hätte der Teufelssohn definitiv behauptet, dass er keine besaß. Genauso wenig würde Lamia welche besitzen, so als Dämon. “Nicht nur vielleicht.” Meinte Mammon unbeeindruckt. Für ihn klang es nach etwas Normalem… etwas Vertrautem. Die Worte, die dann folgten, waren ihm jedoch dann nicht so vertraut. Was kümmerten ihn entsetzte Gesichter, wenn er derjenige nicht war? Tja und selbst wenn… meist reichte ja schon seine bloße Anwesenheit, dass andere ihn aus einer Mischung von Bewunderung und Furcht ansahen. So ganz verstand er ihre Worte somit nicht. Ja, es war offensichtlich, wer welche Rolle bei Hope und ihrem dämonischen Körpergast übernahm. Die Dämonin tat, was sie wollte und der Mensch räumte hinterher auf. Ja, vielleicht konnte man jetzt mit Hope Mitleid haben, aber wenn sie das von Mammon erwartete, dann war sie definitiv an der falschen Adresse. “Und nochmals… wieso gibst du dich dann nicht auch deinen Begierden hin?” Dann taten sie eben beide, was sie wollten vorausgesetzt… Hope wusste überhaupt, was sie sich tief in sich drin wünschte. “Finde heraus, was dir Spaß macht und tu es dann einfach.” Es war doch gar nicht so schwer. Zumindest aus Sicht von Mammon, der ja quasi so sein Leben führte. Also, was begehrte sie? Anstelle, dass Hope für sich überlegte, hörte er immer wieder, was Lamia begehrte. Bla, bla, bla… danach hatte er nicht gefragt. Mammon wusste, wie Dämonen tickten. So winkte er irgendwann ab. “Hör auf, wir beschleunigen das Ganze jetzt.” Meinte er und das, obwohl Hope ja dsa eigentlich nicht wollte. Aber was interessiert es schon Mammon? Dieser verringerte den Abstand zwischen sich und ihr. Seine Augen sahen tief in ihre. “Also Hope… sag mir, was wünschst du dir tief in dir drin am meisten?” Ja, Mammon setzte hier gerade seine Fähigkeit ein und Hope würde sich nicht dagegen wehren konnte. Sie würde ihm offenbaren, was sie sich gerade am meisten wünschte und Mammon war gespannt, was dies sein würde. Eigentlich war er auch neugierig darüber, wie sie sich selbst bestrafen würde, aber bis nonverbale Aktionen folgte nichts verbales. Sollte er hier noch einmal nachhaken? Nein, fürs Erste sollte das genügen. Dennoch stand fest, dass sie nun in einer Schuld stand. Mammon hob leicht eine Augenbraue, als er sah, wie ihr Blick zu der Tasche fiel, wo sich die Rolex nun befand. Moment… hatte sie nicht zugehört? Es ging dabei nicht um die Uhr, sondern darum, dass sie in SEINE privaten Räume eingedrungen war, ohne dass er es wusste. „...und wenn ich sie nicht bezahlen kann?“ Hörte er sie dann fragen. “Meinst du die Uhr oder deine Schuld?” Eigentlich nur eine rhetorische Frage, weshalb er auch dann weiter sprach. “Wie ich gerade schon sagte, stehst du nicht wegen der Uhr in meiner Schuld, sondern weil du hier eingedrungen bist.” Damit war das schon einmal geklärt. “Und ob du deine Schuld bezahlen kannst, wäre dann nicht mein Problem.” So einfach war das in seinen Augen, Punkt. Genauso verhielt es sich mit dem Alkohol. Natürlich war es nur ein Spaß, was das Schmecken anbelangte. Anscheinend hatte sie das aber anders aufgefasst. Aber das ließ er einfach so stehen. Was er jedoch nicht so stehen lassen konnte war, dass ie einfach so in ihrem Satz aufhörte. Neugierig blickte er sie weiter an. “Was dann? Hast du endlich mal Spaß?” Beendete er den Satz. “Schon mal aufgefallen, dass es immer wieder auf das Gleiche hinausläuft?” Es ging darum, Spaß zu haben, sich seinen Begierden hinzugeben und einfach mal das zu machen, was man wollte. Menschen und ihre Angst vor dem Kontrollverlust, Angst davor, etwas Unvernünftiges zu tun. Nein, das waren Dinge, die Mammon nicht kannte. Was er aber kannte, war, wie es in der Hölle war, denn um diesen Ort ging es nun und Hope hatte wirkliches Interesse. Es ging darum, wie es denn mit Musik in der Hölle aussah. “Natürlich ist es ein Folterinstrument.” Fing Mammon an. “Der Teufel hat nicht viel Sinn für schöne Musik. Er findet sie nutzlos…” Sprach Mammon und machte eine kurze Pause. “Aber ich habe genau das Gegenteil festgestellt. Menschen lassen sich damit fesseln und kommen oft wieder und lassen somit Geld da.” Offenbarte Mammon ihr. Tja und wer Geld hier auf Erden hatte, der hatte Macht. Ok, auch ohne Geld hätte Mammon Macht, aber das Leben hier bei den Menschen machte es umso einfacher, wenn man auch Geld hatte. “Oh glaub mir… nur wenige können gut spielen und keiner kann es so gut, wie ich.” Ja, natürlich musste das noch kommen. Mammon war nun einmal sehr von sich selbst überzeugt. “Aus dem Grund darf auch niemand anderes in meinem Club auftreten. Meine Gäste sollen sich wohlfühlen, denn nur dann werden sie sich ihren Begierden hingeben und besonders ihr Geld lassen.” RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 25.07.2026 „Du glaubst wirklich, dass alles in Ordnung ist, solange man selbst dabei Freude empfindet.“ Ein leises, hilfloses Lachen löste sich aus Hopes Kehle, kaum mehr als ein brüchiger Atemzug, der rasch wieder verklang, weil sie selbst nicht wusste, was daran komisch sein sollte. Vielleicht war es lediglich die Absurdität, dass Mammon all das, was für sie mit Blut, Schuld und Angst verbunden war, mit einer solchen Einfachheit betrachtete. Sie suchte in seinem Gesicht nach irgendeinem Hinweis darauf, dass er nur provozierte, doch er schien es tatsächlich ernst zu meinen. Für ihn waren Begierden etwas, dem man nachgab; für Hope war jeder Wunsch bereits mit der Frage verbunden, wie Lamia ihn gegen sie verwenden und wer am Ende dafür bezahlen würde. Trotzdem führte Mammon jedes ihrer Worte an denselben Punkt zurück, als müsste sie nur oft genug hören, wie einfach es angeblich war, bis sie selbst daran glaubte. Finde heraus, was dir Spaß macht, und tu es einfach. Ihre Kiefermuskeln spannten sich an, ihre Unterlippe begann zu zittern und in ihren Augen vermischte sich Angst mit einem erschöpften Rest Trotz. „Ich kann es so nicht“, brachte sie gepresst hervor, doch die Verzweiflung ließ sie die Worte lauter und hart voneinander getrennt wiederholen. „ICH! KANN! ES! SO! NICHT!“ Bei den letzten Worten wurde ihre Stimme tiefer und rauer und gewann eine dunkle, beinahe unnatürliche Kraft. Es war in diesem Moment jedoch nicht Lamia, die durch sie sprach, sondern noch immer Hope – nur schien etwas von der dämonischen Kraft in ihr eigenes Aufbegehren überzugehen, ohne ihr die Kontrolle zu entreißen. Die Grenze zwischen beiden löste sich nicht auf, sondern verschob sich für einen Augenblick. Hope verstummte erschrocken, weil sie die Veränderung selbst gehört hatte, doch neben Angst und Trotz lag nun eine fremdartige Entschlossenheit in ihrem Blick. „Du redest davon, als wäre es nur eine Entscheidung“, fuhr sie leiser fort, doch man konnte in ihrer Stimme nach wie vor ihre Irritation über die Veränderung eben dieser vernehmen. „Als müsste ich bloß beschließen, dass es mir egal ist, wer verletzt wird, solange ich vorher für ein paar Minuten glücklich war.“ Als Mammon abwinkte und ankündigte, sie würden das Ganze nun beschleunigen, wollte die Dunkelhaarige zurückweichen, doch ihre Füße gehorchten nicht. Sein Blick hielt ihren fest, der Abstand zwischen ihnen schwand und plötzlich schien keine Luft mehr in ihre Lungen zu gelangen. Sie öffnete den Mund, ohne einatmen zu können, während sich seine Frage nicht länger wie bloße Neugier anfühlte, sondern wie ein Griff, der tief in ihr nach etwas suchte, das sie selbst verborgen halten wollte. „Dass… du… aufhörst“, presste sie hervor. Es war ihr unmittelbarster Wunsch, doch schon während sie ihn aussprach, spürte sie, dass er nicht genügte. Die Wahrheit blieb nicht an der Oberfläche, sondern wurde weiter aus ihr herausgezogen. Hope schüttelte den Kopf, während ihre Augen für einen Moment leicht nach oben glitten. „Nein… das ist nicht…“ Ihre Stimme brach ab. „Ich möchte…, dass… dass jemand mich ansieht und nicht sie.“ Die Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, und dennoch fühlte sich jede Silbe an, als würde sie etwas Schutzloses in ihr freilegen. „Ich möchte, dass jemand weiß, was in mir ist… was sie ist… und trotzdem bleibt.“ Ihre Unterlippe zitterte, doch Mammons Einfluss ließ sie nicht verstummen. Es ging einfach nicht! „Ich möchte nicht mehr allein damit sein.“ Erst jetzt erkannte sie, dass ihr Wunsch, ungesehen zu bleiben, nie die ganze Wahrheit gewesen war. Sie wollte gesehen werden – nur nicht als Gefahr oder als das Gesicht, hinter dem alle auf Lamia warteten. „Aber ich weiß nicht, wie“, gestand sie heiser. „Ich möchte wissen, wie es ist, wenn jemand neben mir sitzt und ich nicht ständig darauf achten muss, genügend Abstand zu halten. Wenn mich jemand berührt, ohne dass ich sofort zusammenzucke. Ich möchte mich an jemanden lehnen, eine Hand halten, jemanden umarmen… vielleicht sogar neben jemandem einschlafen und darauf vertrauen, dass er am nächsten Morgen noch da ist. Aber ich weiß nicht, wie ich jemanden so nah an mich heranlassen soll, ohne Angst zu haben, dass Lamia ihn dafür bestraft.“ Ein schmerzhafter Atemzug drang über ihre Lippen, doch unter der Hilflosigkeit schob sich plötzlich Härte hervor. Es war eine weitere Entblößung ihres Innersten, als würde Mammons Einfluss nun auch aus einer noch tieferen Schicht eine Wahrheit hervorziehen, die Hope selbst dort vergraben hatte. „Und ich will, dass diejenigen, die mir wehgetan haben, nicht einfach damit davonkommen.“ Ihre Stimme wurde fester, die Verzweiflung in ihr wich jedoch nicht. „Die Ärzte… Pfleger. All diese angesehenen Menschen, denen jeder geglaubt hat, nur weil sie einen weißen Kittel trugen oder den Schlüssel zu meiner Zelle besaßen.“ Schritte vor verschlossenen Türen und das metallische Drehen eines Schlüssels im Schloss drängten sich in ihre Erinnerung. „Ich möchte, dass sie einmal genauso hilflos sind, wie ich es war. Dass sie Angst bekommen, wenn sie Schritte vor ihrer Tür hören. Dass sie wissen, wie es ist, wenn jemand hereinkommen kann und man selbst nichts dagegen tun kann.“ Hope schüttelte schwach den Kopf, doch die Wahrheit gehörte nicht Lamia und ließ sich deshalb nicht auf sie abschieben. Es tat ihr selbst weh, diesen Wunsch auszusprechen, ohne ihn noch zurückhalten zu können. „Ich will, dass sie bezahlen. Und manchmal will ich, dass es ihnen genauso wehtut, wie es mir wehgetan hat.“ Ihre Stimme sank beinahe zu einem Flüstern, als dürfte dies niemand vernehmen. „Ich weiß nur nicht, wie ich Rache wollen kann, ohne irgendwann genauso zu werden wie sie.“ Als Mammons Einfluss nachließ, sog Hope schmerzhaft Luft ein und wich zurück. Ihr Körper bebte, ihr Gesicht brannte vor Scham, doch darunter regte sich Wut. Er hatte ihr Nein gehört und trotzdem weitergemacht. Langsam hob sie den Kopf. Tränen glänzten in ihren Augen, doch ihre leise Stimme besaß eine Schärfe, die vorher nicht da gewesen war. „Ich habe Nein gesagt!“ Sie hielt seinem Blick nicht vollständig stand, entzog sich ihm aber auch nicht mehr. „Du hast gehört, dass ich es nicht wollte!“ Ihre Finger zitterten, bis sie sie zu Fäusten schloss. Wie hatte er es wagen können, so tief in sie einzudringen und all diese Dinge aus ihr herauszuzerren? Angst, Wut und Trotz mischten sich und ließen sie seine Macht vergessen, von der sie bereits wusste, dass er sie zweifelsohne besaß. „Du kannst Menschen nicht einfach öffnen, nur weil dir ihre Antworten vorher nicht gefallen haben!“ Als Mammon anschließend glaubte, sie habe seine Erklärung über die Schuld missverstanden, schüttelte Hope kaum merklich den Kopf. „Ich weiß, dass es nicht um die Uhr geht. Sie erinnert mich nur daran.“ Ihr Blick fiel zu der Tasche auf dem Boden. Die Rolex darin war längst zum sichtbaren Zeichen einer Verpflichtung geworden, deren Inhalt allein Mammon bestimmen wollte. „Daran, dass ich hier eingedrungen bin. Und daran, dass du irgendwann entscheiden willst, was es kostet.“ Trotzdem hob sie den Blick wieder zu ihm, auch wenn die eben noch so deutliche Festigkeit bereits erste Risse zeigte. Seine Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, ob sie überhaupt bezahlen konnte, ließ ein Frösteln über ihre Haut laufen. Trotzdem hob sie den Blick mit einem unsicheren Schein wieder. „Ich weiß, dass es mein Problem ist. Und genau deshalb habe ich gefragt, was passiert, wenn ich meine Schuld nicht bezahlen kann.“ In ihrer Stimme lag, obwohl sie nach wie vor leise war, auch eine gewisse Festigkeit und auch die Klarheit darüber, dass sie mit allem rechnen musste – daran war sie immerhin schon gewöhnt. Als er anschließend erneut behauptete, sie könne endlich einmal Spaß haben, entwich Hope ein erschöpftes Ausatmen. Erneut führte er das Gespräch dorthin zurück. Sie erklärte ihre Angst diesmal nicht erneut. Er wusste genug, und wenn er sie noch immer nicht verstand, fehlten nicht die richtigen Worte. Stattdessen griff sie erneut nach dem Scotchglas, an dem sie bislang nur vorsichtig genippt hatte, und leerte es in einem Zug. Es brannte bei der ersten Berührung in ihrem Mund so sehr, dass Hope das Gefühl hatte, sie könnte im nächsten Moment wohlmöglich Feuer spucken. Doch der Alkohol brannte ihr nicht nur über die Zunge und die Kehle hinab, sondern setzte sich unter ihrem Brustbein fest, sodass ihr für einen Moment Tränen in die Augen stiegen. Dennoch setzte sie das Glas erst wieder ab, als es leer war. War es der reine Trotz darüber, dass er sie nicht verstehen wollte? Jedenfalls war sie hier oben für andere eine weniger große Gefahr, als unten in der Menschenmenge. Schlussendlich hatte er aus ihr sowieso Dinge herausbekommen, die sie zuvor noch abgrundtief in sich vergraben gewusst hatte. Ihre Miene blieb dabei beinahe unbewegt, doch aus ihrem Blick sprach unverhohlene Abscheu. Erst als Mammon von der Musik in der Hölle erzählte, löste sich etwas von der Härte aus Hopes Haltung. Dass sie dort als Folterinstrument verwendet wurde, überraschte sie kaum, wohl aber, dass er selbst beim Klavierspiel zuerst von Wirkung, Geld und Macht sprach. Bei seiner Behauptung, niemand könne so gut spielen wie er, erschien für einen flüchtigen Moment ein kleines, erschöpftes Lächeln auf ihren Lippen. „Du hast mir erklärt, wofür du Musik nutzt“, stellte sie fest. „Warum die Menschen wiederkommen und dir ihr Geld geben. Aber nicht, warum du selbst spielst.“ Ihr Blick glitt zu den Tasten und wieder zu ihm. Die Frage war diesmal ihre eigene. Niemand zog sie aus ihr heraus. Hope atmete langsam ein und erlaubte sich einen kleinen Wunsch. Immerhin hatte er gerade einen Blick auf ihre entblößte Seele erzwungen. Nun wollte sie wenigstens etwas von ihm sehen, das nicht für seine Gäste, sein Geld oder seine Macht bestimmt war Da war er wieder, der Trotz, der nicht Lamia, sondern Hope zuzuschreiben war. „Dann spiel mir etwas vor.“ Sie zögerte kurz. „Aber nicht das, womit du deine Gäste fesselst. Etwas, das du spielst, wenn niemand zuhört.“ War das gerade eine Frage zur Ablenkung von ihr selbst, oder spielte sie gerade bewusst mit dem Feuer? Der Scotch begann sich bereits warm in ihr auszubreiten. Vielleicht war es noch keine Hingabe an ihre Begierden, aber zum ersten Mal hatte Hope sich selbst erlaubt, einer von ihnen einen kleinen Schritt entgegenzugehen. RE: the uninvited guest - Mammon - 27.07.2026 „Du glaubst wirklich, dass alles in Ordnung ist, solange man selbst dabei Freude empfindet.“ Kurz nachdem Hope dies gesagt hatte, hob Mammon seine rechte Hand. Nur der Zeigefinger war gestreckt, welchen er nun hin und her bewegte. “Na, na, na so, habe ich das nie behauptet.” Korrigierte er sie. “Ich hab lediglich gesagt, wenn es sowieso danach ins Chaos hinausläuft, dann kannst du auch genauso deiner Begierde nachgehen, wenn es auf Gleiche hinausläuft.” Nichts Anderes hatte der Teufelssohn behauptet gehabt. Wieso auch nicht diesen Weg einschlagen? Mal ehrlich, wenn sowieso klar war, dass man mit den Konsequenzen leben musste, egal, ob mit Vernunft oder ohne, wieso dann nicht den Weg wählen, wo man wenigstens noch behaupten konnte, dass man seinen Spaß dabei hatte? Aber gut, vielleicht war das wirklich so ein Ding der Erdlinge. Dann wurde es plötzlich überraschend interessant. Hope meinte, dass sie es nicht konnte, doch als sie das zweite Mal diese Worte aussprach, war da mehr als nur die Angst und der Trotz. Da war noch etwas Anderes gewesen. Mammon konnte (noch) nicht genau zuordnen, was da gerade passiert war, aber es war offensichtlich, DAS etwas war. Das merkte man auch deutlich an Hopes Reaktion danach. Sie hatte sich über sich selbst erschrocken. Doch Mammon musste unweigerlich nach diesem kleinen Ausbruch grinsen. “Uh, was war denn das gerade?” Fragte er nach. “Klang ganz danach, als hätte sich da noch jemand eingemischt.” Zumindest war es seine erste Vermutung. Ob dies nun stimmte oder nicht, war einmal dahingestellt. Fakt war, dass da etwas gewesen war, etwas mächtigeres als Hope es eigentlich war. Ja, das war durchaus interessant und dann war da wieder diese leise Stimme, noch immer erschrocken über sich selbst. “Oh so langsam verstehst du es ja doch.” Meinte er erfreut. “Wenn du sowieso aufräumen musst, wieso dann nicht vorher ebenso genießen? Es kommt doch dann aufs Gleiche hinaus.” Ob sie es jetzt verstanden hatte? Doch genug von diesem ‘ich kann nicht’, ‘ich will nicht’ oder sonst was. Mammon wollte Klarheit. Ihn interessierte es durchaus, was eine menschliche Hülle mit einem Dämon in sich so begehrte. Unbeachtet von dem, das Hope nicht wollte, benutze er seine Fähigkeit und fragte sie, was sie sich am meisten tief in sich wünschte. Sein Blick ließ ihren nicht los, denn dieser musste bewahrt bleiben. Die ersten Worte waren leider eher langweilig und so…unwichtig. Sie wollte als eigenständige Person gesehen werden und nicht mehr allein sein. Sie wollte anscheinend geliebt werden. Die menschlichen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und die Angst vor der Vereinsamung. Kannte er alles schon. Schließlich wurde es dann doch noch spannend. Plötzlich sprach Hope von Rache. Sie musste dieses Wort noch nicht einmal aussprechen, damit Mammon dies erkannte. Man hörte es auch so deutlich aus ihrer Stimme und aus ihren Worten heraus. Ein breites, teuflisches Grinsen machte sich nun breit und er unterbrach seinen Blick zu ihrem, sodass sie nicht mehr unter seinem Bann stand. “Sieh einer an. Wer hätte gedacht, dass in dir so böse Wünsche stecken.” Dabei hatte er ein breites Grinsen auf den Lippen. Unbeeindruckt ließ er Hope reden, davon, dass er doch gehört hatte, dass sie es nicht wollte. Ja, das hatte er und nun? Mit der Arroganz eines Prinzen der Hölle, sah Mammon sie dann an. “Du hast doch gesehen, dass ich es kann.” Meinte er trocken. “Ich bin der Prinz der Hölle! Wenn ich deine tiefsten Begierden erfahren will, dann mach ich das, wie es mir beliebt und dabei ist mir egal, ob du es mir vorher gesagt hast, ob du das willst oder nicht.” Wer war er denn, dass ihm wichtig war, wie sich der Andere dabei fühlte? Es war ihm schlichtweg egal, erst Recht, wenn es sich dabei um einen Menschen handelte. Hatte Hope etwas vergessen, wen sie hier vor sich hatte? Wenn ja, dann spätestens nach dieser Aktion wohl nicht mehr. “Es ist nicht die Frage, ob du deine Schuld bezahlen kannst, sondern ob du sie dann so bezahlen willst.” Sprach er. Mammon war niemand, der Unmögliches verlangte. Meist passten die Aufgaben schon zu demjenigen, der sie ausführen sollte. Es sollte sich ja auch für Mammon lohnen und was brachte es ihm, wenn er Aufgaben stellte, die von vornherein zum Scheitern verurteilt waren? “Und zu seiner Frage…” Fing er nun an. “Solltest du dich weigern, dann gibt es viele Möglichkeiten der Bestrafung.” Dabei sah man ein leichtes Aufleuchten in seinen Augen, was nichts Gutes hieß. “Meine Kellermeisterin würde sicher entzückt sein, wenn sie solch hübsches Ding foltern dürfte.” Ja, ein kleiner Vorgeschmack, was es werden könnte, aber wie gesagt, es gab mehrere Wege Hope zu bestrafen, wenn sie nicht ihre Schuld abbezahlen wollte. Und dann ging es um Musik. Erst, wie Musik in der Hölle eingesetzt wurde und das der Teufel nicht viel von schöner Musik hielt und dann hatte Mammon erklärt, dass er herausgefunden hatte, dass schöne Musik durchaus nützlich sein konnte. Dies entsprach alles der Wahrheit. Jedoch gab es noch einen Grund, wofür er Musik nutzte. Ein Grund, der jedoch eher unbewusst bei ihm ablief. Durch Musik verarbeitete er all das, was ihn gerade beschäftigte oder fühlte. Es war im Grunde seine Therapie, ohne dass er es jemals wollte oder bewusst nutzte. Aber diesen Grund würde er nie zugeben. Wieso auch? Er selbst gestand es sich ja noch nicht einmal ein. “Ist es denn nicht schon Grund genug?” Meinte Mammon und hörte schließlich ihren Wunsch, dass er etwas für sie spielte. Jedoch sollte es etwas sein, was er so nicht seinen Gästen spielen würde. Er sollte etwas spielen, was er nur spielte, wenn niemand zuhörte. Klang nach einer kleinen Herausforderung. Wie konnte er das nur ablehnen? Generell, wenn es darum ging, seine unglaubliche Stimme und seine geschickten Finger beim Spielen zu präsentieren, konnte er schlecht nein sagen. “Also gut.” Meinte Mammon schließlich und ging an Hope vorbei, um sich auf seinen Klavierhocker zu setzen. Mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit legten sich seine Finger auf die einzelnen Tasten. Mammon musste nicht lange überlegen, was er spielte. Das tat er nie, wenn er einfach aus Lust spielte. Die ersten Töne erlangen und schließlich fing er an zu singen: “Ich kenne tausend fremde Namen, doch keiner bleibt bis zum Morgen. Ein Blick, ein Lächeln, eine Nacht – mehr sind sie für mich nie. Sie fallen vor mir, nicht ich vor ihnen. Sie wollen mehr, ich will nichts. Ich bin das Feuer, das sie suchen… und ging, bevor die Glut verglomm. Ich kenne Lust. Ich kenne Gier. Ich kenne jede Form der Versuchung. Doch dieses Gefühl... hat keinen Namen, den ich kenne. Ich bin die Begierde. Ich bin die Versuchung. Der Blick, dem niemand widersteht. Ich ziehe andere in meinen Bann... Doch wer zieht plötzlich mich? Ich bin kein Mann, der fällt. Ich bin der Grund, warum andere fallen. Warum also... Fühlt sich mein Herz so anders an? Ich glaubte immer, Gefühle seien Ketten, geschmiedet für Sterbliche. Schwäche... war etwas, das anderen widerfuhr. Nicht mir. Nicht dem Sohn des Teufels. Wenn Macht genügt... warum fühlt sie sich plötzlich so bedeutungslos an? Wenn Verlangen alles wäre... warum suche ich nach etwas, das ich nie gesucht habe? Warum zweifle ich... an Wahrheiten, die älter sind als jede Erinnerung? Ich bin die Begierde. Die Sünde. Die Versuchung. Ich bin niemals derjenige, der den Blick senkt. Niemals derjenige, der den Atem verliert. Und doch... stehe ich hier... und erkenne den Mann im Spiegel nicht mehr.” Dass er so viel von sich preisgab, war so natürlich nicht gewollt. Mammon spielte die letzten Töne und dann verstummte irgendwann nicht nur seine Stimme für einen Moment, sondern auch das Klavier. Es dauerte einen längeren Moment, ehe er dann zu Hope sah. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 27.07.2026 Hopes Blick folgte Mammons erhobenem Zeigefinger, der ihre Worte ebenso beiläufig zurechtwies, wie er zuvor alles abgetan hatte, was für sie mit Schuld und Verantwortung verbunden war. Sie verstand durchaus, welchen Unterschied er machte: Er behauptete nicht, dass Freude jede Folge rechtfertigte, sondern lediglich, dass sie sich ebenso gut nehmen konnte, was sie wollte, wenn das Chaos am Ende ohnehin über sie hereinbrach. Doch gerade darin lag für Hope noch immer etwas, das er offenbar nicht begreifen konnte. „Nein“, widersprach sie leise, während ihre Stimme nach dem fremdartigen Ausbruch noch immer rau klang. „Es kommt nicht auf das Gleiche hinaus. Nicht für mich.“ Ihre Unterlippe zitterte weiterhin, trotzdem zwang sie sich, den Gedanken auszusprechen, an dem sie sich beinahe verzweifelt festhielt. „Solange ich noch selbst entscheide, was ich tue, hat sie nicht alles von mir.“ Vielleicht waren die Konsequenzen von außen betrachtet dieselben, doch wenn Hope begann, sich allein deshalb jeder Begierde hinzugeben, weil Lamia später ohnehin zerstören könnte, was von ihrer Vernunft übrigblieb, würde sie ihrer Dämonin freiwillig noch mehr Raum überlassen. Mammons Grinsen angesichts ihrer veränderten Stimme ließ sie jedoch erneut unsicher werden. Sie senkte den Blick, als könnte sie dort eine Erklärung finden, und horchte für einen Moment angestrengt in sich hinein, beinahe darauf wartend, Lamias höhnisches Lachen zu hören. Doch es blieb still. „Nein, ich glaube… das… das war ich“, brachte sie stockend hervor. Die Erkenntnis machte sie nicht stärker; sie ließ ihr vielmehr einen kalten Schauer über den Rücken laufen. „Sie hat nicht gesprochen. Es hat sich auch nicht so angefühlt, als hätte sie versucht, herauszukommen.“ Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie Mühe hatte, selbst zu verstehen, was geschehen war. „Es war meine Stimme. Nur… nicht so, wie ich sie kenne.“ Vielleicht war Lamias Kraft nicht mehr so klar von ihr getrennt, wie Hope es all die Jahre hatte glauben wollen. Vielleicht gab es etwas Dämonisches in ihr, das nicht ausschließlich der Gefangenen in ihrem Körper gehörte, sondern ebenso zu ihr selbst geworden war. Dieser Gedanke machte ihr beinahe mehr Angst als eine weitere Übernahme. Als Mammon anschließend ihre Wünsche nach Nähe und Zugehörigkeit nahezu gelangweilt überging und erst bei ihrer Rache sichtbar auflebte, sank Hopes Blick erneut. Sein breites Grinsen machte aus dem Geständnis, das ihr selbst noch immer schmerzhaft in der Kehle lag, etwas Unterhaltsames. Böse Wünsche. Sofort regte sich der alte, vertraute Reflex in ihr. „Das war Lamia“, begann sie hastig, doch die Behauptung verlor bereits während des Sprechens an Kraft. Sie erinnerte sich an die Schritte auf den Fluren, an die Schlüssel und an die Gesichter jener Menschen, die gewusst hatten, dass ihr niemand glauben würde. Der Wunsch, sie ebenso hilflos zu sehen, hatte sich nicht wie Lamias fremde Stimme angefühlt. Er hatte aus einer Wunde gesprochen, die ausschließlich Hope gehörte. „Nein…“ Ihre Schultern sanken ein wenig herab, als müsste sie unter der Erkenntnis körperlich nachgeben. „Ich glaube, dieser Wunsch war meiner. Vielleicht nicht alles daran, vielleicht hat sie ihn größer gemacht, aber… er… er war schon vorher da.“ Sie konnte Mammon dabei kaum ansehen. Dass etwas so Dunkles tatsächlich aus ihr selbst gekommen war, erschreckte sie weiterhin, und sein erfreutes Interesse machte es nur schlimmer. Erst nach einigen Sekunden hob sie den Blick wieder, verletzt und verunsichert, ohne jede triumphierende Schärfe. „Du hast aber nur den Teil interessant gefunden, der dir ähnlich ist.“ Es klang schon irgendwie anklagend, doch sie konnte es in dem Moment nicht verhindern. Dass sie nicht allein bleiben wollte, dass sie sich nach einer Berührung sehnte, bei der sie nicht zusammenzucken musste, hatte ihn gelangweilt. Erst als sie vom Leiden anderer gesprochen hatte, war sie in seinen Augen spannend geworden. Seine Antwort auf ihr Nein löschte den letzten Rest ihrer aufkeimenden Gegenwehr beinahe augenblicklich aus. Hope wurde vollkommen still, als Mammon ihr mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der niemals gelernt hatte, eine Grenze als solche anzuerkennen, erklärte, er dürfe mit ihr tun, was ihm beliebte. Die Erwähnung seiner Kellermeisterin und das Wort Folter ließen ihren Körper unmerklich zusammensinken. Hübsches Ding. Ihre Finger schlossen sich um ihre eigenen Oberarme, während sich Mammons Stimme für einen Moment mit anderen Stimmen vermischte, die längst vergangen sein sollten. Wenn sie endlich zugab, dass die Geister nicht existierten, würde es ihr besser gehen. Wenn sie sagte, was die Ärzte hören wollten, galt sie vielleicht als gesund. Wenn sie aufhörte, sich zu wehren, mussten die Pfleger nicht härter zugreifen. Gehorsam war damals stets als Behandlung bezeichnet worden, und Bestrafung als etwas, das sie durch ihr Verhalten selbst verursacht hatte. Hopes Blick glitt an Mammon vorbei zur Fahrstuhltür. Zum ersten Mal maß sie bewusst die Entfernung dorthin ab, obwohl sie wusste, dass wenige Schritte angesichts seiner Geschwindigkeit vermutlich nichts bedeuteten. „Du verlangst keine Bezahlung“, sagte sie schließlich. Ihre Stimme war sehr leise geworden, beinahe tonlos, und die Bitterkeit darin wirkte älter als sie selbst. „Du verlangst Gehorsam.“ Sie schluckte und sah ihn nur kurz wieder an. „Sie haben es damals bloß anders genannt.“ Mammon stellte sie vor dieselbe Wahl, nur in einer grausameren und ehrlicheren Form: Gehorsam oder Bestrafung. Ihr Nein hatte in diesen Räumen offenbar ebenso wenig Bedeutung wie damals hinter einer verschlossenen Zellentür. Als Mammon schließlich an ihr vorbeiging und sich auf den Klavierhocker setzte, erkannte Hope nicht sofort eine Gelegenheit. Sie hatte aufrichtig darum gebeten, etwas Persönliches von ihm zu hören, doch erst als er ihr den Rücken teilweise zuwandte und seine Hände auf die Tasten legte, wanderte ihr Blick erneut zum Fahrstuhl. Langsam beugte sie sich nach ihrer Tasche, hob sie auf und zog den Riemen über ihre Schulter. Der Scotch breitete sich inzwischen warm in ihrem Körper aus und verlieh ihren Bewegungen eine kaum merkliche Unsicherheit, trotzdem, oder gerade deshalb, setzte sie vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Sie wusste, dass Mammon sie bemerkte. Jemand wie er verlor seine Umgebung vermutlich nicht aus den Augen, nur weil er spielte, und er musste nicht einmal sofort reagieren. Er wusste ebenso gut wie sie, dass er sie mühelos erreichen konnte, bevor sich die Fahrstuhltüren auch nur vollständig geöffnet hätten. Trotzdem ging Hope weiter, langsam genug, dass es nicht wie eine kopflose Flucht wirkte, und schnell genug, um wenigstens ein wenig Abstand zu ihm zu gewinnen. Die ersten Zeilen hielten sie nicht auf. Fremde Namen, kurze Nächte und Menschen, die vor ihm fielen, passten zu jenem Mammon, den er ihr bisher gezeigt hatte. Doch während seine Finger mit einer Leichtigkeit über die Tasten glitten, die nichts mit der Berechnung seiner sonstigen Bewegungen gemein hatte, veränderte sich etwas in seiner Stimme. Hope wurde langsamer, als er von einem Gefühl sang, das er trotz all seiner Erfahrung mit Lust und Versuchung nicht benennen konnte. Ihr nächster Schritt blieb daraufhin beinahe in der Luft hängen. Eine bestimmte Person hatte offenbar etwas in ihm verschoben, ebenso wie sich zuvor etwas in Hope selbst verschoben hatte. Nach allem, was er sang, hatte Mammon sich bislang wohl für denjenigen gehalten, der andere zu Fall brachte – und wusste nun selbst nicht mehr, weshalb ausgerechnet er ins Wanken geriet. Waren Gefühle für ihn nicht wie Ketten und Schwäche etwas, das nur anderen widerfuhr? Die Musik widersprach allerdings jeder seiner Behauptungen. Als er davon sang, dass Macht plötzlich bedeutungslos erschien und er nach etwas suchte, das er niemals zuvor gewollt hatte, blieb Hope schließlich stehen. Nur noch wenige Schritte trennten sie vom Fahrstuhl. Sie sah nicht mehr zur Tür, sondern zu Mammon. Das Lied war keine Darbietung für Gäste, keine Methode, sie gefügiger zu machen oder ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Er sprach durch die Musik etwas aus, für das ihm außerhalb der Musik offenbar selbst die Worte fehlten. Hope wusste nicht, wer ihn so aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, und sie wagte nicht, dieses namenlose Gefühl vorschnell als Liebe zu bezeichnen. Doch sie begriff nun, dass sein Klavierspiel mehr war als ein Werkzeug. Für Hope klang es, als spielte er, weil er etwas in sich trug, das selbst ein Prinz der Hölle nicht vollständig beherrschen konnte. Als die letzten Töne verklangen, hatte Hope die Hand bereits halb zum Knopf des Fahrstuhls erhoben. Für einen Moment blieb sie vollkommen reglos. Mammon sah schließlich zu ihr, und aus der Entfernung fiel es ihr etwas leichter, seinem Blick standzuhalten. Sie glaubte nun etwas über ihn zu wissen, das er ihr in einem Gespräch vermutlich niemals freiwillig offenbart hätte. Anders als er verspürte sie jedoch nicht den Wunsch, tiefer zu graben, bis von seiner Grenze nichts mehr übrigblieb. „Ich werde dich nicht fragen, für… wen das war“, sagte sie leise, während ihr Blick noch einen Augenblick auf ihm ruhte. „Aber… jetzt weiß ich, warum du… spielst.“ Sie wandte sich noch nicht von Mammon ab. Seine Drohung war durch das Lied nicht verschwunden, ebenso wenig wie ihre Angst vor dem, was er tun konnte. Und doch wusste sie plötzlich nicht mehr, ob sie gerade überhaupt gehen wollte, nachdem der Prinz der Hölle ihr etwas offenbart hatte, von dem sie niemals gedacht hätte, dass es sich in ihm befand: Verletzlichkeit. RE: the uninvited guest - Mammon - 28.07.2026 Ok… Mammon zog leicht die Augenbrauen zusammen. Nein, ihre Argumentation verstand der Teufelssohn nun wiederum nicht. “Genau das ist es ja. DU entscheidest dich dafür, DEINEN Begierde nachzugehen, ehe du ihren Schlamassel aufräumst, weil du das Gefühl hast, es dann zu tun.” Mammon war ja noch immer der Meinung, dass sie das nicht machen musste aber hey, wenn sie unbedingt dieses Gefühl ihn sich hatte dies tun zu müssen, dann war das nicht sein Problem. Umso erstaunlicher war es dann, als eine andere Seite von Hope zum Vorschein kam. Er hatte es als unwahrscheinlich empfunden, dass sie dazu überhaupt in der Lage war, aber gut, auch Mammon ließ sich dahingehend mal positiv überraschen. Wie es jedoch schien, war es die menschliche Hülle allein gewesen. Aus ihr allein kam diese dunkle Macht, wenn man es mal so nennen wollte. “So, so da steckt wohl mehr in dir drin, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.” Er fand sie ja schon damals recht spannend, nur allein deswegen, weil sie ihren Körper mit dieser Dämonin teilte. Aber jetzt wurde sie aus einem ganz anderen Grund spannend. Steckte in dieser zierlichen Person doch etwas in sich, was stärker war als anfangs gedacht? Noch interessanter wurde es, als er nun ihren tiefsten Wünsche hervorgelockt hatte. Nicht das, was sie anfangs gesagt hatte, sondern ihre Rachewünsche. Erst wollte Hope sie als die Wünsche von Lamia abtun, aber dann hatte sie anscheinend festgestellt, dass es ihre eigenen waren. Ob es Mammon gefiel? Definitiv! Vielleicht behielt er sich genau das im Hinterkopf. Vielleicht… konnte man das ja für ihre Schuldabarbeitung nutzen. „Du hast aber nur den Teil interessant gefunden, der dir ähnlich ist.“ Ein müdes Lächeln huschte über seine Lippen. “Entschuldige, aber für Sex bin ich momentan nicht in Stimmung und all dieser ganze Gefühlskram, dafür musst du dir definitiv jemand anderes suchen.” Meinte Mammon. “Was jedoch dein Wunsch nach Rache angeht, nun das ist etwas, den ich dir durchaus erfüllen könnte.” Oh ja, das konnte er in der Tat. Genauso konnte er jemanden bestrafen, wenn dieser seine Schulden nicht bezahlen wollte. Mammon fand, dass es sein gutes Recht war. Er hatte dem Anderen etwas gegeben, was dieser verlangt hatte und im Gegenzug konnte Mammon schließlich etwas zurückverlangen. Wenn sich da jemand weigerte, war es da nicht legitim, diesen dann dafür zu bestrafen? “Oh, das ist eine Art der Bezahlung.” Meinte Mammon mit einem gewissen Lächeln auf den Lippen. “Würde ich von dir Gehorsam verlangen, dann würdest du jetzt definitiv vor mir knien!” Da war sie wieder, diese Stimme eines Prinzen, der sich über das gemeinen Fußvolk sah. Wieso auch nicht? Er war etwas Besseres als diese Menschen und er war etwas Besseres als Dämonen. Natürlich könnte er sich so ein Verhalten erlauben. “Dennoch… sehe es als eine Art Gefallen oder Deal an. Ich verschone dich damit, dass meine Security dich unsanft rausschmeißt und der Polizei übergibt und du stehst dafür bei mir in der Schuld, die ich irgendwann beglichen haben will. Was und wann ist jedoch dabei meine Entscheidung.” Erklärte Mammon, der es absolut nicht für Gehorsam hielt, sondern eher für eine Win-Win-Situation. “Und es obliegt ganz allein dir, ob du eben deine Schuld, die du bei mir hast, dann begleichst oder dich dagegen entscheidest und dann mit den Konsequenzen leben musst.” Ein fairer Deal, wie Mammon fand. Genauso fair fand er es, dass er sich dazu herab ließ, Hope etwas auf dem Klavier vorzuspielen und dazu etwas zu singen. Hope hatte im Übrigen nur teilweise damit Recht, dass er beim Spielen seine Umgebung im Blick hatte. Bei Stücken, die nicht seine Gefühle widerspiegelten, ja, da war dem so, da würde es ein Leichtes sein, mitzubekommen, wenn sie flüchten wollte. Doch wenn er Lieder spielte, wie beispielsweise dieses… da war Mammon durchaus unaufmerksamer. Eigentlich hatte der Teufelssohn nicht vorgehabt, so viel von sich preiszugeben, eigentlich hatte er es mit den ersten Zeilen belassen wollen. Doch meist war es so, dass es sich verselbstständigte, so, wie auch jetzt. Nur im Augenwinkel hatte er sehen können, dass sich die zierliche menschliche Hülle immer mehr dem Aufzug näherte. Sollte er ihr verbal sagen, dass es keinen Zweck hatte zu fliehen? Das Ablenkungsmanöver war clever gewählt und ja, sie hatte gerade die größte reale Chance, von hier zu verschwinden, als zu keinem anderen Zeitpunkt. Mammon würde sie sogar ziehen lassen, weil er wusste, dass er sie wiederfinden würde, wenn er wollen würde. Im Moment seiner Performance war ihm nur diese wichtig. Das Gefühlte wollte raus, wollte sich zeigen. Gefühle, die er so nie offen zugeben würde, einerseits, weil er sich die selbst nicht eingestehen wollte, andererseits, weil er oft auch gar nicht wusste, dass er so etwas fühlte. Als das letzte Wort gesungen wurde und der letzte Ton verstummt war, hatte sich Mammon nun wieder an Hope gewandt, die so nah am Aufzug stand, dass sie den Aufzug hätte holen können. Doch sie tat es nicht. Mammon hörte ihre Worte, sagte jedoch nichts, sondern schritt zu seinem leeren Glas und füllte es erneut mit Scotch. Erst ein Schluck des Alkohols und dann entschied er sich zu sprechen. “Ach, tust du das?” Fragte er sie und trank gleich noch einmal hinterher. Doch… wollte er wirklich aus ihrem Mund hören, was er unbewusst doch schon längst wusste? Tja und dann war noch die Frage, ob sie es sich überhaupt trauen würde, dies auszusprechen. “Ich jedenfalls für meinen Teil kann behaupten, dass ich das tue, weil es Spaß macht und ich gebe mich gern allem hin, was Spaß macht.” Die wirkliche Wahrheit, nun die behielt er für sich, wie so oft, wenn Mammon sich nicht dem offensichtlichem stellen wollte. “Also, was ist nun? Wolltest du nicht eigentlich den Knopf drücken, damit der Aufzug sich öffnet und du von hier verschwinden kannst oder hab ich dich so mit meinem hervorragendem Gesang und Spiel so gefesselt, dass du doch nicht gehen willst?” Fragte er sie schließlich. Kaum hatte er nicht mehr gesungen und gespielt, war er wieder der Alte. Jemand, der sich für jemand hielt, dem niemand das Wasser reichen konnte. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 30.07.2026 Auf seine erneute Erklärung ging Hope nicht mehr ein. Entweder verstand Mammon den Unterschied tatsächlich nicht oder er wollte ihn nicht verstehen; für eine weitere Runde derselben Diskussion fehlte ihr inzwischen jede Kraft. Mammons sichtbares Interesse an jener dunklen Kraft, die sich für einen kurzen Moment in ihrer Stimme gezeigt hatte, beruhigte Hope keineswegs. Im Gegenteil: Während er darin offenbar etwas Spannendes, vielleicht sogar etwas Nützliches sah, fühlte sie selbst noch immer den fremdartigen Nachhall in ihrer Kehle und wusste nicht, ob sie sich davor fürchten oder daran festhalten sollte. Sie horchte erneut in sich hinein, wartete auf Lamias höhnisches Lachen oder irgendeine Bemerkung, mit der die Dämonin diesen Augenblick für sich beanspruchte, doch es blieb still. „Ich weiß nicht, was in mir steckt“, gestand sie schließlich leise, während ihr Blick unsicher zwischen Mammon und dem Boden schwankte. „Und ich weiß auch nicht, ob ich es herausfinden will.“ Die Vorstellung, dass etwas von Lamias Kraft inzwischen ebenfalls zu ihr gehörte, ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Zugleich hatte sie zum ersten Mal etwas davon gespürt, ohne dabei zu verschwinden, ohne Stunden später in einem fremden Chaos zu erwachen und nur noch anhand von Blut oder Erinnerungsfetzen erahnen zu können, was geschehen war. Vielleicht bedeutete es, dass sie der Dämonin nicht vollkommen hilflos ausgeliefert war. Vielleicht aber auch, dass die Grenze zwischen ihnen bereits viel brüchiger geworden war, als Hope bisher hatte wahrhaben wollen. Gerade dieser Widerspruch machte ihr Angst: Ein Teil von ihr wollte niemals wieder so klingen, während ein anderer sich noch an jene Kraft erinnerte, mit der ihre eigene Stimme plötzlich den Raum erfüllt hatte, wenn sie ihr ihre Tabletten hatten aufzwingen wollen. Mammons nächste Bemerkung traf sie jedoch vollkommen unvorbereitet. Für Sex sei er momentan nicht in Stimmung. Das Wort ließ Hopes Gesicht schlagartig heiß werden, obwohl sich gleichzeitig eine eisige Kälte über ihren Nacken und ihre Arme ausbreitete. Ihre Schultern zogen sich zusammen, als könnte sie ihren Körper dadurch kleiner machen, während ihre Finger sich unbewusst um das eigene Handgelenk schlossen. Für einen Augenblick war da nicht mehr das Penthouse, sondern das Gefühl, festgehalten zu werden, ein fremder Atem zu nah an ihr und Walter Kindels Stimme, die sich in Erinnerungen drängte, welche sie seitdem kaum in eine erkennbare Reihenfolge bringen konnte. „Ich… ich habe nicht von…“ Ihre Stimme versagte, ehe sie das Wort überhaupt aussprechen konnte. Hope schluckte, blickte hastig zur Seite und zwang sich dennoch dazu, weil sie Mammon nicht mit dieser Annahme stehen lassen wollte. „daavon gesprochen.“ Es klang kaum lauter als ein Flüstern. Allein es so direkt sagen zu müssen, ließ ihren Griff um das eigene Handgelenk fester werden. „Und ich habe auch nicht gesagt, dass ich das von dir will.“ Ihre Worte kamen schneller, beinahe abwehrend, während sie den Blick weiterhin nicht vollständig zu ihm heben konnte. „Du hast mich gezwungen, dir zu sagen, was mir fehlt. Dass ich jemanden berühren möchte, ohne Angst zu haben, bedeutet nicht… nicht automatisch das.“ Vielleicht wusste Mammon tatsächlich nicht, dass Nähe etwas anderes sein konnte als Begehren, oder vielleicht war es ihm schlicht gleichgültig. Für Hope aber lagen zwischen einer freiwilligen Berührung und allem, was ihr genommen worden war, Welten. Unwillkürlich fragte sie sich, ob Mammon in ihr hatte erspüren können, was ihr widerfahren war. Und gleichzeitig hoffte sie stumm, dass er es niemals herausfand. Umso unvermittelter traf sie sein Angebot, ihren Rachewunsch erfüllen zu können. Hopes Kopf hob sich, noch bevor sie bewusst entschieden hatte, ihn wieder anzusehen. „W… w… was…?“ Für einen Moment verschwanden sogar Scham und Beklemmung hinter der schieren Möglichkeit dessen, was er behauptete. Die Ärzte, die Pfleger, die verschlossenen Türen und jene Gesichter, die immer ruhig geblieben waren, weil sie genau gewusst hatten, dass ihr Wort mehr zählte als ihres – Mammon sprach davon, als könnte er sie tatsächlich erreichen. Als könnte es Konsequenzen geben, nachdem Hope so lange hatte hinnehmen müssen, dass niemand auch nur nach ihnen fragte. „Wie?“ Das Wort verließ ihre Lippen viel zu schnell. Kaum hatte sie es ausgesprochen, erschrak sie über das unverkennbare Interesse in ihrer eigenen Stimme und wich mit dem Oberkörper ein wenig zurück, als könnte sie die Frage dadurch wieder einfangen. Doch sie war längst zwischen ihnen ausgesprochen. Mammon wusste nun, dass die Versuchung wirkte. Und Hope wusste es ebenfalls. Seine Behauptung, sie würde längst vor ihm knien, wenn er tatsächlich Gehorsam verlangte, ließ sich ihre Knie unwillkürlich anspannen. Sie verlagerte ihr Gewicht, als müsste sie überprüfen, ob ihre Beine noch ihr gehörten, während ihr Blick für einen Augenblick zu Boden sank. Nach dem, was er bereits mit ihren Gedanken getan hatte, konnte sie nicht sicher sein, dass es nur eine großspurige Behauptung war. Dennoch erklärte er weiter, als handele es sich um einen vollkommen fairen Handel: Er hatte sie vor seiner Security und der Polizei bewahrt, dafür schuldete sie ihm etwas, dessen Zeitpunkt und Inhalt ausschließlich er bestimmen durfte. Hope hörte zu, doch mit jedem Wort wurde deutlicher, wie geschickt er Zwang in den Klang einer freiwilligen Vereinbarung kleidete. „Du nennst es einen Deal, weil das besser klingt“, sagte sie schließlich. „Aber eine Wahl zwischen dem, was du willst, und Folter ist keine Wahl.“ Ihre Stimme blieb leise, denn die Erinnerung an seine Kellermeisterin genügte noch immer, um ihre Kehle eng werden zu lassen. Mammon erfüllte Wünsche nicht, weil ihm etwas an den Menschen lag. Er fand heraus, wonach sie sich sehnten, bot es ihnen an und verwandelte es anschließend in eine neue Verpflichtung, deren Bedingungen allein ihm gehörten. Sein Racheangebot war damit ebenso gefährlich wie verlockend. Hope durchschaute die Falle – und konnte trotzdem nicht verhindern, sich für einen kurzen Moment vorzustellen, wie es wäre, wenn jene Menschen endlich Angst vor dem Klang eines Schlüssels hätten. Als Mammon sein Lied schließlich wieder auf bloßen Spaß reduzierte, lag für einen flüchtigen Moment etwas beinahe Wissendes in Hopes Blick. Er wich aus. Das wusste sie, doch ob er auch wusste, dass sie es erkannt hatte? Dennoch würde sie nicht versuchen, tiefer in ihn einzudringen. Er hatte ihr Innerstes gegen ihren Willen geöffnet; sie wollte nicht ebenso werden. „Dann nennen wir es Spaß, wenn es dir hilft“, erwiderte sie ruhig. Der Satz besaß eine kleine Spitze, doch keine offene Herausforderung. Sie ließ ihm seine Schutzhülle, obwohl sie nun wusste, dass unter seiner Selbstgefälligkeit etwas lag, das sich nicht so leicht mit Lust, Macht oder Vergnügen erklären ließ. Auf seine abschließende Frage hin glitt Hopes Blick zum Fahrstuhlknopf, über dem ihre Hand noch immer schwebte. Sie hätte behaupten können, dass sie nie hatte fliehen wollen, doch Mammon würde die Lüge ohnehin erkennen. „Ich wollte gehen“, sagte sie deshalb schlicht. Dann sah sie wieder zu ihm, wobei ihr die Entfernung zwischen ihnen weiterhin ein wenig Mut verlieh. „Du hattest mir gerade erklärt, dass mein Nein für dich nichts bedeutet. Natürlich wollte ich gehen.“ Ihre Fingerspitzen näherten sich dem Knopf, hielten jedoch noch einmal inne. „Und ja… dein Lied hat mich aufgehalten. Aber nicht aus dem Grund, den du gerade hören möchtest.“ Ein schwacher Trotz trat in ihren Blick, als sie hinzufügte: „Und das weißt du.“ Schließlich drückte sie den Knopf. Der leise Signalton erklang, doch Hope wandte sich nicht sofort zu den geschlossenen Türen. Fortzugehen war noch immer das Vernünftigste, und dennoch widerstrebte ihr der Gedanke, diesen Abend erneut nur Lamia zu überlassen – als eine weitere Erfahrung, die Hope selbst nicht gemacht hatte und lediglich aus fremden Erinnerungssplittern kannte. „Bisher kennt nur Lamia deinen Club“, sagte sie nach kurzem Zögern. Ihre Stimme blieb vorsichtig, denn sie wusste selbst nicht, ob sie gerade Neugier, Trotz oder einen neuen Fluchtweg in Worte fasste. „Zeigst du ihn mir auch?“ Ihr Blick wanderte kurz zu den Fahrstuhltüren und kehrte dann zu Mammon zurück. „Hier oben möchte ich jedenfalls nicht bleiben.“ RE: the uninvited guest - Mammon - 05.08.2026 „Ich weiß nicht, was in mir steckt und ich weiß auch nicht, ob ich es herausfinden will.“ Man hörte ein deutlich genervtes Stöhnen von Mammon und ein leichtes Kopfschütteln, bei dem er nach oben sah. War das wirklich ihr Ernst? Das konnte doch nicht wahr sein! “Ich werde euch Erdlinge nie verstehen!” Konnte er sich nicht verkneifen. “Warum in Dads Namen willst du es nicht herausfinden? Vielleicht ist es genau das, was dich von deinem Leid erlöst.” Mammon verstand es einfach wirklich nicht! Was sollte schon passieren? Warum ihn das interessierte? Weil sie vielleicht noch nützlich werden könnte. Also nicht nur ihr Dämon, sondern auch sie als Mensch oder Medium besser gesagt. Was war denn jetzt plötzlich los? So, wie sie sich verhielt, machte es den Anschein als ob sie versuchte sich kleiner zu machen, als sie jetzt war und generell wirkte sie… angespannt und das nur, weil er das Wort Sex gesagt hatte? Er hatte durchaus bemerkt, dass gerade Menschen ungern das Wort Sex aussprachen, geschweige denn generell darüber zu sprechen. Warum dies so war, war wieder etwas, was er einfach nicht verstand. Nochmal… Menschen waren echt kompliziert. “Du meinst, du hast nicht von Sex gesprochen?” Natürlich wiederholte er das Wort. Was war auch so schlimm daran? In seinem Blick sah man diese leichte Verwirrung. “Und was soll es sonst bedeuten?” Hope hatte definitiv Recht damit, dass der Teufelssohn nicht wusste, dass es einen Unterschied zwischen Nähe und Begehren gab. Ok, so ganz stimmte das auch nicht. Tief in sich wusste er es durchaus schon, aber er konnte es nicht so klar benennen. Es war ja genauso, wie die Gefühle zu Fred und auch hier wieder erneut… Menschen waren kompliziert. Was für Mammon wieder einfach zu verstehen war, war die Sache mit der Rache. Sofort sah man, wie sich wieder ein Grinsen auf seinen Lippen breit machte und dieses gewisse Funkeln in seinen Augen, als sie nach dem ‘wie’ fragte. Dass es ihr danach sichtlich unangenehm war, störte Mammon nicht, denn dieser hatte sich nun nur auf ihr ‘wie’ fokussiert. “Ich bin der Sohn des Teufels, schon vergessen?” In der Hölle hätte das vollkommen ausgereicht, aber sie waren hier nicht in der Hölle, weshalb sich Mammon darauf hinab ließ hier noch mehr zu ihrem ‘wie’ zu erzählen. “Das ist ganz einfach. Unter meinem Club befindet sich ein Keller, in dem sich wiederum mehrere Folterräume befinden. Mein Angebot wäre, dass du einen dieser Folterräume für deine Rache benutzen kannst.” Tja und natürlich hatte Hope absolut damit Recht, dass er keine Wünsche aus nächstenliebe erfüllte. Oh nein, er war ja schließlich kein Engel! Also keiner aus dem Himmel. Dennoch empfand er es als Deal, wo man eine Wahl hatte. “Oh, glaub mir, das ist es. Du hast schließlich die Wahl, deine Schulden zu begleichen oder du hast bewusst die Wahl getroffen, Schmerzen zu erleiden. Es ist ja nicht so, dass ich Unmögliches verlange, es muss sich natürlich auch für mich lohnen und was bringt es mir, wenn meine Bedingung unmöglich für jemanden ist?” Davon hätte der Teufelssohn ja nun auch nicht. Ok, eine Folter mehr, aber irgendwann hatte man sich auch satt gesehen. Dennoch musste er zugeben, dass er durchaus daran interessiert war, wie Hope jemanden folterte. Sollte vielleicht das ihre Aufgabe werden, damit sie nicht mehr in seiner Schuld stand? Eine Überlegung war es definitiv wert. „Dann nennen wir es Spaß, wenn es dir hilft“ Und erneut sah man, wie Mammon den Kopf schüttelte. “Tse… wir nennen es nicht nur Spaß, das ist es auch!” Was sollte es denn sonst sein? Nein, lieber nicht darüber nachdenken. Schließlich war es ein einleuchtender Gedanke, dass er nur spielte, weil es ihm Spaß machte. Einen anderen Grund gab es nicht. Basta! Die volle Wahrheit in solchen Dingen zu verleugnen, darin war er ein Meister, dank seines Dads, der ihm ja sehr gut eingetrichtert hatte, dass er über gewissen Dingen stand. Deswegen war es Mammon auch ein Leichtes, sich selbst einzureden, dass er nur spielte, weil es Spaß machte. Aber zurück zu Hope, die zugab, dass sie eigentlich gehen wollte, sie es aber fürs Erste doch nicht tat nach seinem hervorragend gespielten und gesungenen Lied. “Was immer du glaubst, der eigentliche Grund zu sein, dann solltest du mal deinen Glauben gründlich überdenken.” Tse… natürlich lag es ganz allein an seiner Stimme und seines Spiels und nicht, weil er etwas offenbart hatte, was er nicht offenbaren wollte! Aber genug davon! Zum Glück lenkte Hope selbst davon ab, indem sie ihn darum bat, dass er ihr seinen Club zeigte. “Was denn… Angst, dass ich meine Meinung zum Sex noch ändern könnte?” Ja, das hatte er sich nicht verkneifen können, ehe er nun zu Hope schritt. Kaum bei ihr angekommen, öffnete sich auch schon die Tür des Aufzugs und mit einer ausgestreckten Hand, wo seine Handinnenfläche nach oben zeigte, machte er deutlich, dass sie zuerst gehen sollte. “Nach dir.” Meinte er nur und wartete ab, bis sie in den Aufzug ging, ehe er ihr folgte. Im Aufzug selber war er es dann, der den Kopf drückte. Dabei hatte er natürlich keine Probleme damit, ihr dabei gegebenenfalls nah zu kommen. Die Aufzugstür schloss sich schließlich und die beiden waren allein. “Aber wenn ich wollte, dann würde ich natürlich Sex mit dir haben.” So, das hatte er einfach nochmal klarstellen müssen. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 11.08.2026 Mammons genervtes Stöhnen ließ Hope den Blick für einen Moment sinken. Für ihn schien ihre Unsicherheit tatsächlich vollkommen unverständlich zu sein, als gäbe es nur eine einzige vernünftige Reaktion auf etwas Unbekanntes: Herausfinden, was es war, und anschließend sehen, wozu man es benutzen konnte. Dass er ausgerechnet von Erlösung sprach, sorgte jedoch dafür, dass sich ihre Stirn leicht zusammenzog. Der Gedanke war ihr selbst bereits gekommen, auch wenn sie ihn sofort wieder hatte fortschieben wollen. Was, wenn diese fremdartige Kraft tatsächlich etwas war, das nicht gegen sie arbeitete? Was, wenn sie irgendwann lernen konnte, sie zu benutzen, ohne dabei Lamia das Feld zu überlassen? Zum ersten Mal hatte etwas Dämonisches durch ihren Körper gedrungen, ohne dass Hope selbst dahinter verschwunden war. Genau darin lag eine Möglichkeit, die sie ebenso wenig ignorieren konnte wie die Angst davor. „Und wenn es mich nicht erlöst?“, fragte sie schließlich leise. Ihre Finger strichen nervös über den Riemen ihrer Tasche, während sie Mammon nur kurz ansah. „Wenn ich herausfinde, dass ich ihr ähnlicher bin, als ich mein ganzes Leben lang geglaubt habe?“ Der Gedanke legte sich kalt in ihren Magen. Vielleicht würde sie etwas entdecken, womit sie Lamia endlich etwas entgegensetzen konnte. Vielleicht würde sie aber ebenso feststellen, dass die Grenze, an die sie sich bisher geklammert hatte, niemals so eindeutig gewesen war. Dass Mammon anschließend ausgerechnet das Wort wiederholte, das sie eben erst mit Mühe über die Lippen gebracht hatte, ließ die Hitze erneut in ihr Gesicht steigen. Hope zog die Schultern näher an den Körper, während ihre Finger sich unwillkürlich fester um ihr eigenes Handgelenk schlossen. Seine sichtbare Verwirrung machte es kaum besser. Für ihn schien körperliche Nähe tatsächlich beinahe zwangsläufig dort zu enden, wo Hope schon beim Gedanken daran die Luft flacher durch die Kehle zog. „Ja“, antwortete sie zunächst viel zu schnell. „Ich habe nicht von Sex gesprochen.“ Allein die erneute Aussprache ließ ihren Blick zur Seite flüchten. Für einen kurzen, hässlichen Moment drängte sich Walter Kindels Nähe in ihre Erinnerung, Hände, die entschieden hatten, bevor sie selbst überhaupt hatte verstehen können, was geschah, und das Gefühl, den eigenen Körper nur noch von irgendwo weit entfernt wahrzunehmen. Hope schluckte dagegen an und zwang sich zurück in den Fahrstuhlbereich des Penthouses, zu Mammon, zu dessen fragendem Gesicht. „Es kann doch… etwas anderes bedeuten.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein unsicheres Murmeln. „Dass jemand meine Hand hält. Oder mich umarmt. Dass jemand neben mir liegt, ohne…“ Sie stockte, weil schon die Formulierung ihre Kehle enger werden ließ. „…ohne irgendetwas von mir zu wollen.“ Ihre Augen hoben sich kurz zu ihm, um gleich wieder auszuweichen. „Nähe muss doch nicht immer bedeuten, dass jemand etwas mit meinem Körper machen will.“ Der Satz war ihr unangenehm genug, dass sie danach fast bereute, ihn ausgesprochen zu haben, doch zugleich lag darin etwas, das Mammon offenbar wirklich nicht verstand. Vielleicht konnte er Begehren und Berührung nicht voneinander trennen. Hope konnte es sehr wohl – gerade weil sie gelernt hatte, wie gewaltig der Unterschied zwischen einer Berührung war, die man wollte, und einer, der man nicht entkommen konnte. Sein Angebot hinsichtlich ihrer Rache ließ all diese Gedanken jedoch für einen Moment in den Hintergrund treten. „W… w… was…?“ Ihr Kopf hob sich so plötzlich, dass einige dunkle Haarsträhnen aus ihrem Gesicht rutschten. Das Grinsen auf Mammons Lippen hätte Warnung genug sein sollen, doch die Vorstellung war bereits da, noch bevor Vernunft sie erreichen konnte. Ein Keller… Folterräume… Räume, aus denen Menschen nicht gehen konnten, wenn sie es wollten. Hope wusste nur zu gut, wie sich allein diese Beschreibung anfühlte – und dennoch veränderte sich die Perspektive diesmal auf eine Art, die ihr selbst Angst machte. Nicht sie wäre hinter einer verschlossenen Tür. Nicht sie müsste auf das Geräusch eines Schlüssels warten. Einen flüchtigen Augenblick lang sah sie einen der Ärzte dort stehen und auch einen bestimmten Pfleger, und in ihrer Vorstellung befand sich der Schlüssel plötzlich in ihrer eigenen Hand. „Wie?“, fragte sie leise, bevor sie sich bremsen konnte. Mammon beantwortete es so selbstverständlich, als würde er ihr anbieten, einen Raum für einen Abend zu mieten. Hopes Blick blieb an ihm hängen. „Du würdest mich… einfach machen lassen?“ Die Frage war kaum hörbar und enthielt etwas, das ihr unmittelbar danach selbst widerstrebte: Echtes Interesse. Sie merkte es, presste die Lippen zusammen und senkte den Blick wieder. Natürlich würde Mammon so etwas nicht aus Nächstenliebe anbieten. Er hatte gerade erst herausgefunden, was sie wirklich wollte, und bereits im nächsten Moment wusste er, womit er sie locken konnte. Genau darin lag vermutlich seine eigentliche Stärke. Er musste Menschen nicht immer zwingen. Manchmal genügte es, ihnen etwas anzubieten, das sie selbst unbedingt wollten… und sie verfluchte sich gerade selbst dafür. Hope sah ihn einen Moment lang nur an, ehe ihre Mundwinkel ganz leicht zuckten. Nicht wirklich amüsiert, eher so, als hätte Mammons Vehemenz ihre Vermutung nur noch bestätigt. „Schon gut“, murmelte sie leise und hob kaum merklich die Schultern. „Dann ist es eben nur Spaß.“ Sie widersprach ihm nicht weiter. Gerade die Hartnäckigkeit, mit der er darauf bestand, ließ sie jedoch umso weniger daran glauben. Seinen Hinweis, sie solle ihren Glauben überdenken, beantwortete sie nur mit einem kurzen, ruhigen Blick. „Vielleicht“, sagte sie schließlich. „Aber vielleicht solltest du das auch.“ Sein erneuter Scherz über Sex löschte diesen kleinen Rest von Kühnheit allerdings rasch wieder aus ihrem Gesicht. Hope versteifte sich, noch bevor sich die Fahrstuhltüren öffneten. „Hör auf damit“, brachte sie leise hervor, während ihre Finger den Taschenriemen fester umschlossen. Mehr erklärte sie nicht. Sie hatte ihm bereits gesagt, dass sie nicht davon gesprochen hatte, und wollte ihm nicht noch einmal einen Bereich ihres Lebens offenlegen, in dem er lediglich mit einer weiteren neugierigen Frage herumstochern konnte. Als Mammon ihr mit ausgestreckter Hand den Vortritt ließ, zögerte sie dennoch einen Moment. Dann trat sie in den Fahrstuhl. Wenn sie hinunter in den Club gelangte, waren dort zumindest andere Menschen, mehrere Räume und vermutlich mehr als ein möglicher Ausgang. Hier oben dagegen gab es nur ihn und eine Tür, die erst auf seinen beziehungsweise ihren Wunsch reagierte. Kaum folgte Mammon ihr in den Fahrstuhl, schien die Kabine einen guten Teil ihrer ohnehin überschaubaren Größe einzubüßen. Hope stellte sich instinktiv näher an eine der Wände und zog die Tasche etwas vor ihren Körper, während er sich neben ihr nach dem Knopf ausstreckte. Die Bewegung war vollkommen beiläufig, doch für einen kurzen Moment befand er sich nah genug, dass sie seine Körperwärme wahrnahm, den herben Geruch des Scotchs und etwas Eigenes darunter, das sie nicht benennen konnte. Ihr Atem geriet unwillkürlich flacher. Sie wich wenige Zentimeter zurück, bis ihr Rücken die kühle Wand berührte, während Mammon den Knopf drückte und sich wieder aufrichtete. Eigentlich hatte er sie nicht einmal berührt. Trotzdem war ihr plötzlich viel zu bewusst, wie wenig Raum zwischen ihnen lag. Mit einem leisen Geräusch schlossen sich die Türen und schnitten den letzten Blick auf das Penthouse ab. Das gleichmäßige Summen des Fahrstuhls setzte ein, begleitet von jener kaum wahrnehmbaren Bewegung unter ihren Füßen, die verriet, dass sie sich bereits nach unten bewegten. Hope richtete den Blick auf die Etagenanzeige, als könnte sie sich daran festhalten, doch die Zahlen wechselten für ihr Empfinden viel zu langsam. Neben sich nahm sie Mammon beinahe überdeutlich wahr. Jede kleine Gewichtsverlagerung, das Rascheln seiner Kleidung, selbst seinen Atem, wenn die Kabine für einige Sekunden vollkommen still zu werden schien. Der Scotch begann noch immer warm in ihrem eigenen Körper zu arbeiten, und vielleicht war es genau das, was die Grenzen ihrer Wahrnehmung ein wenig unscharf machte. Sie wusste nur nicht, ob sie sich dadurch weniger oder noch viel stärker eingeengt fühlte. Merkwürdigerweise war es nicht ausschließlich Angst, die sie davon abhielt, sich noch fester an die Wand zu drücken. Da war auch diese irritierende Aufmerksamkeit für seine Nähe, die Hope sofort wieder von sich weisen wollte. Mammon war gefährlich, arrogant und hatte ihr gerade erst bewiesen, wie wenig Bedeutung ihr Nein für ihn besitzen konnte. Trotzdem registrierte ihr Körper Dinge, um deren Wahrnehmung sie ihn niemals gebeten hatte: Dass sie den Kopf nur ein wenig drehen musste, um sein Gesicht sehen zu können; dass die wenigen Schritte Abstand aus dem Penthouse hier auf kaum mehr als eine Armlänge zusammengeschrumpft waren; dass selbst ein beiläufiges Drehen seinerseits diesen Abstand noch weiter verkleinern würde. Gerade weil körperliche Nähe für Hope normalerweise etwas war, dem sie auswich, fühlte sich diese erzwungene Bewusstheit beinahe unerträglich intensiv an. Dann erklärte Mammon mit derselben selbstverständlichen Überzeugung, mit der er über Macht, Schuld und seine eigenen Fähigkeiten sprach, dass er natürlich Sex mit ihr haben würde, wenn er wollte. Hope drehte den Kopf zu ihm. Für einige Sekunden sagte sie überhaupt nichts. Die Hitze schoss ihr unmittelbar ins Gesicht, während sich gleichzeitig eine feine Gänsehaut über ihre Arme zog. In der geschlossenen Kabine schien sein Satz keinen Ort zu haben, an den er verschwinden konnte; er blieb zwischen ihnen hängen, viel zu nah, beinahe greifbar. Ihr Blick streifte sein Gesicht und wich wieder zur Etagenanzeige aus, nur um Sekunden später erneut zu ihm zurückzukehren. Sie hätte Abstand schaffen wollen, doch hinter ihr befand sich bereits die Wand. Und obwohl Mammon sie nicht berührte, wurde ihr gerade deshalb umso deutlicher bewusst, dass nur wenig nötig wäre, um die verbleibende Distanz zwischen ihnen verschwinden zu lassen. Es war jedoch weniger das Wort selbst, das ihr Herz schneller schlagen ließ, als die Art, wie er es gesagt hatte. Wenn ich wollte. Nicht wenn sie beide wollten. Nicht einmal die Möglichkeit, dass Hope vielleicht gar kein Interesse daran haben könnte, nur sein Wille, ausgesprochen mit jener selbstverständlichen Sicherheit eines Mannes, der offenbar selten darüber nachdenken musste, ob jemand ihm etwas verweigerte. Etwas in ihr zog sich ängstlich zusammen, gleichzeitig regte sich darunter jener kleine Rest Trotz, den Mammon an diesem Abend schon mehr als einmal hervorgelockt hatte. Hope schluckte. Ihre Stimme versagte beinahe beim ersten Versuch, und als sie schließlich sprach, war sie leise genug, dass das Summen des Fahrstuhls sie beinahe verschluckte. „Spielt mein Wille dabei keine Rolle?“ Sie merkte erst nach dem Aussprechen, was noch in dieser Frage lag. Denn es war nicht nur Angst, sondern auch die unausgesprochene Möglichkeit, dass sie ihn vielleicht gar nicht wollen würde. Für einen flüchtigen Moment weiteten sich Hopes Augen, als hätte sie selbst erst jetzt begriffen, welche unbeabsichtigte Herausforderung sie dem Prinzen der Hölle gerade inmitten dieser viel zu engen Kabine vor die Füße gelegt hatte. Doch um diese Worte zurücknehmen zu können war es nun unweigerlich zu spät. RE: the uninvited guest - Mammon - 11.08.2026 Und, wenn es dies oder das nicht macht, bla, bla, bla. Ja, Mammon war durchaus genervt davon und das sah man ihm deutlich an. Wieso auch nicht? Er konnte sich so etwas leisten. Tja, bei Hope sah das sicher anders aus, so, wie sie vehement versuchte vernünftig zu sein und ihrem Gastdämon hinterher zu räumen. “Ich bin der Prinz der Hölle und kein Allwissender." Meinte er nur. “Außerdem wirst du es nie rausfinden, wenn du es nicht einfach drauf ankommen lässt.” Ja, da war es wieder sein Vorschlag, einfach mal dem nachzugehen. Aber Mammon würde jetzt nicht erneut anfangen, sondern beließ es dabei. Er hatte schon genug seiner kostbaren Zeit damit verschwendet, ihr klar zu machen, dass sie ruhig mal ihren Begierden nachgeben sollte. Was sie jetzt daraus machte, war absolut ihre Sache. Es war immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen ungern das Wort Sex aussprachen oder gar darüber redeteten. In der Hölle war das absolut normal gewesen. So etwas wie Eifersucht gab es in der Hölle nicht und so konnte man durchaus behaupten, dass dort jeder mit jedem mal körperlich wurde. Gefühle waren eben kein Thema in der Hölle. Hatte man Lust auf Sex, dann tat man es einfach und dabei war es egal, ob es nur zwischen zwei Körpern war oder daraus eine regelrechte Orgie wurde. Dass Nähe nicht gleich Sex bedeuten musste, das war etwas, was Mammon noch nicht begriff. Selbst zwischen Fred und ihm wurde aus Nähe eben bisher immer Sex. Nein, dass dies zwei unterschiedliche Dinge sein konnten, das kam ihm bisher nicht in den Sinn. “Aber genauso ist es doch. Fühl ich mich von jemanden hingezogen, dann hab ich Sex mit ihm.” Hope würde sicher nun erkennen, dass Mammon sich nicht darüber lustig machte, sondern es einfach nur so kannte. Egal, was sie sagen würde, Mammon würde erst einmal bei dieser Meinung bleiben. Was war Hope nur so überrascht? Natürlich hatte der Teufelssohn Folterräume! Er war in der Hölle aufgewachsen, wo es gefühlt ganze Dimensionen davon gab. War es da nicht nur logisch, dass er sich in seinem eigenen Reich zumindest Folterräume besaß? “Natürlich würde ich dich einfach machen lassen.” Was war das denn für eine dämliche Frage? “So gern ich auch meiner Kellermeisterin dabei zusehe, wie sie so manche Seele foltert, so amüsant und unterhaltsam ist es durchaus zuzusehen, wie jemand zum ersten Mal foltert.” Es war deshalb so reizvoll, weil es stets eine Überraschung war, wie diese Person dann folterte. Jemand, der schon eine gewisse Routine beim Foltern hatte, hatte irgendwann seine Standards und mit der Zeit wurde es vorhersehbar. Ja, Mammon schaute auch gern bei seiner Kellermeisterin durchaus bei einer Folter zu. Doch ein Frischling bei der ersten Folter erleben? Das klang im jetzigen Moment wirklich verlockend. “Ich bin jetzt schon neugierig, was du als erstes tun würdest, welche Folterinstrumente du benutzen würdest und wie sehr du den Anderen zurichten würdest.” Er baute eine kurze Pause ein. “Und… ob du die Person leben lassen würdest oder schlussendlich töten würdest.” Man sah ein kurzes Aufleuchten in seinen Augen. Für ihn war dies Unterhaltung, für die meisten Menschen wäre dies eine Grausamkeit. Aber gut, Mammon war kein Mensch, also zur Hälfte nur und er war gerade einmal ein gutes Jahr hier auf Erden. Was sollte man da also erwarten? Dass er sich sofort anpasste? Wieso sollte er, wenn er das Leben hier auf Erden sich so gemütlich machen konnte? Genauso sehr machte es Spaß auf seinem Flügel zu spielen und dazu zu singen. Er gab keinen weiteren Kommentar mehr dazu ab und er hielt sich für zu erhaben, als dass er einen Kommentar dazu abgeben würde, dass er vielleicht mal drüber nachdenken sollte. Viel lieber musste Mammon das nochmal mit dem Sex aufgreifen. Ja, es machte auch irgendwie Spaß, wie er fand. Dass Hope es nicht so spaßig fand, nun das war dem Teufelssohn einfach egal. Sie war nicht Fred und somit kümmerte es ihn kaum, ob er ihre Gefühle verletzte oder nicht. Nur, weil er sie nicht gleich tötete oder folterte, hieß das ja nicht gleich, dass er sich um ihr Wohl sorgte und somit Nächstenliebe zeigte. Oh nein, darum ging es Mammon nie, zumindest bei 99% der Personen. Ja, es gab Ausnahmen, aber Hope gehörte nicht dazu. Als die Aufzugstüren sich schlossen und der Aufzug sich nun anfing nach unten zu bewegen, sah Mammon jede einzelne Bewegung von Hope. Diese war so sehr an die Wand gequetscht, dass man fast meinen könnte, dass sie versuchte, mit dieser zu verschmelzen. Was hatte sie denn gedacht? Dass sie nacheinander einzeln den Aufzug benutzen? Oh nein, weder hätte er sie da oben im Penthouse allein gelassen, noch als Erste fahren lassen. So gab es doch nur die Option, dass sie beide zusammen fuhren. Tja und da Hope nun keinen größeren Abstand mehr zwischen ihnen beiden schaffen konnten, musste Mammon doch noch einmal darauf zurückkommen, dass er sehr wohl mit ihr schlafen würde, wenn er denn nur wollte. Ihm entging dabei nicht, wie ihr Gesicht nun an Farbe gewann und man konnte durchaus erkennen, dass ihr Körper auch anderweitig darauf reagiert hatte. Wusst ich es doch! Dachte er sich. Seine Augen verengten sich leicht und ein leichtes teuflischen Grinsen sah man auf seinen Lippen. Doch Hope gab sich dann selbst eine Art Todesstoß, indem sie ihn indirekt herausforderte. Das teuflische Grinsen wurde nun noch sichtbarer und seine Augen sahen direkt in ihre. Anstatt nun auf ihre Frage zu antworten, bewegte er seinen Finger wieder zu den Knöpfen im Aufzug um dann eine gewisse Kombination zu drücken. Plötzlich kam der Aufzug zum Stillstand und fuhr nicht mehr weiter. Sie wollte eine Antwort auf ihre Frage? Dann bekam sie diese nicht nur verbal, sondern durchaus auch körperlich. Er drehte seinen Körper direkt zu ihr. Aber das war noch nicht genug, denn nun verringerte er den Abstand zu Hope so stark, dass sich die Kleidung der beiden fast berührten. Seine rechte Hand wanderte an ihren Kopf vorbei und stützte sich an die Wand, mit der Hope immer noch versuchte zu verschmelzen. Sein Gesicht kam ihrem nun gefährlich nah und für einen Augenblick schien es fast so als würden sich ihre Nasenspitzen berühren. Jedoch wanderte sein Gesicht nur haarscharf daran vorbei, sodass seine Lippen ihrem rechten Ohr gefährlich nahe kamen. “Du kannst dir natürlich einreden, dass du es nicht willst, aber dein Körper hat schon längst andere Signale abgegeben.” Raunte er ihr ins Ohr. Kurz darauf verharrte er noch in dieser Position, ehe er langsam sein Gesicht wieder von ihrem Ohr entfernte. Doch wirklich wieder Abstand zwischen ihren Gesichtern gab es dennoch nicht. Seine Augen wanderten nun an Hopes Körper herunter und er legte, ohne zu fragen, seine linke Hand an die Außenseite ihres rechten Oberschenkels. Langsam strich er über den Stoff ihrer Kleidung, da wo sie vorhanden war, nach oben an ihrer Hüfte hoch, ihrem Bauch entlang, neben ihrer weiblichen Rundungen hoch an ihrem rechten Schlüsselbein entlang zum Ansatz ihres Halses. “Ich spüre, wie die Hitze in die Aufsteigt und dein Körper nach mehr verlangt.” Dabei ‘wanderten’ nun sein Zeige- und Mittelfinger ihren Hals kaum spürbar nach oben zu ihrem Kinn, bis er schließlich mit seinem Zeigefinger leicht ihre Unterlippe nach unten zog. “Ich könnte jetzt so einiges mit dir anstellen und du würdest es willig zulassen.” Seine Lippen kamen nun ihren immer näher und es passte gerade noch so ein Hausch zwischen diesen. “Und wenn ich dich jetzt küssen will, dann tu ich das einfach, weil ich weiß, dass dein Körper es ebenso wollen würde.” Da war noch immer diese raue und gefährlich sündhafte Stimmlage, ehe eine kurze Pause eintrat. “Aber wie ich schon sagte, ich bin nicht in Stimmung.” Kaum hatte Mammon diese Worte ausgesprochen, brachte er wieder Abstand zwischen ihnen beiden und drückte erneut eine Tastenkombination, sodass der Aufzug sich wieder in Bewegung setzte. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 12.08.2026 Dass Mammon ihre Erklärung offenbar tatsächlich nicht als Ausrede oder verschämte Umschreibung betrachtete, sondern schlicht nicht verstand, weshalb zwischen Anziehung und Sex überhaupt noch etwas anderes liegen sollte, ließ Hope ihn für einen Moment schweigend ansehen. Die Antwort, die ihr zunächst auf der Zunge gelegen hatte, sprach sie nicht aus. Stattdessen senkte sie den Blick ein wenig und zog die Lippen kurz aufeinander, als würde sie nach einer weiteren Erklärung suchen, ehe sie den Gedanken wieder verwarf. Sie hatte ihm gesagt, was sie meinte. Mehr konnte sie vermutlich ohnehin nicht tun, wenn es in Mammons Vorstellung diesen Zwischenraum schlicht nicht gab. Vielleicht war es für jemanden, der so aufgewachsen war wie er, tatsächlich selbstverständlich, einen Menschen zu begehren und daraus unmittelbar das Recht abzuleiten, diesem Begehren nachzugehen. Für Hope fühlte sich allein diese Vorstellung fremd genug an, dass sie sie nicht weiter auseinandernehmen wollte. Ein kaum hörbares „Hm“ war schließlich alles, was sie darauf erwiderte, mehr ein Eingeständnis, dass sie seine Sicht gehört hatte, als Zustimmung dazu. Sehr viel schwerer ließ sich dagegen ignorieren, was Mammon unmittelbar danach aus ihrem Wunsch nach Rache machte. Noch vor wenigen Minuten hatte dieser Wunsch hauptsächlich aus Erinnerungen bestanden, aus Gesichtern, Stimmen und dem dumpfen Wissen darum, dass irgendwo Menschen lebten, die ihr Dinge angetan hatten und vermutlich längst wieder schliefen, aßen, arbeiteten und ihren Alltag führten, während Hope selbst manches davon bis heute mit sich herumtrug. Mammons Worte gaben diesem Wunsch nun plötzlich einen Raum, Wände, eine verschlossene Tür und Instrumente, deren Zweck keinerlei Interpretationsspielraum ließ. Ihre Finger wurden wieder unruhiger am Riemen der Tasche, doch ihr Blick blieb dieses Mal an ihm hängen. „Ich… ich weiß nicht, was ich tun würde“, brachte sie schließlich hervor. Die Worte waren leiser geworden, je länger sie darüber nachdachte. In ihrem Kopf stand für einen Moment tatsächlich einer der Ärzte vor ihr, nicht in einem weißen Kittel und nicht mit jener selbstverständlichen Autorität, mit der er früher entschieden hatte, was für sie richtig war, sondern dort unten in einem Raum, aus dem er nicht einfach hinausgehen konnte. Danach ein Pfleger. Einer von denen, die Schlüssel besessen hatten und ihn immer wieder provokativ vor ihrer Nase hatte tanzen lassen – ausschließlich zur Machtdemonstration. Diesmal wäre sie diejenige mit dem Schlüssel. Die Vorstellung löste einen so widersprüchlichen Zug in ihrem Inneren aus, dass Hope kaum wusste, welcher Teil davon sie mehr erschreckte. „Vielleicht würde ich gar nichts tun können, wenn wirklich jemand vor mir steht“, fuhr sie nach einer Weile stockend fort und senkte kurz den Blick. „Oder vielleicht…“ Sie verstummte, weil die zweite Möglichkeit viel schwieriger auszusprechen war. Ihre Finger verharrten plötzlich. „Vielleicht würde ich nicht wissen, wann ich aufhören muss.“ Kaum waren die Worte heraus, hob Hope den Blick wieder zu Mammon, als hätte sie selbst von jemand anderem gesprochen. Lamia war immer diejenige gewesen, der sie solche Grenzenlosigkeit zugeschrieben hatte. Dass sie inzwischen nicht mehr vollkommen sicher war, was Hope selbst tun könnte, wenn jemand vor ihr stünde, den sie wirklich hasste, war erheblich unangenehmer. Noch unangenehmer wurde es, als Mammon mit beinahe sichtbarer Vorfreude darüber sprach, dabei zuzusehen. Hope musterte ihn einige Sekunden schweigend und bemerkte dabei jenes Aufleuchten in seinen Augen, als er über Folterinstrumente, Verletzungen und sogar darüber sprach, ob sie den Menschen am Ende leben lassen würde. „Du würdest dabei zusehen…?“, stellte sie schließlich leise fest. Es war keine wirkliche Frage. Ihre Stirn zog sich etwas zusammen. „Für dich wäre das wirklich… Unterhaltung...?“ Das Wort fühlte sich seltsam bitter an. Für Mammon mochte der erste Versuch eines Menschen, einen anderen zu foltern, etwas Unvorhersehbares und deshalb Spannendes sein. Für Hope wäre es etwas völlig anderes. Etwas Hässliches, Privates, vielleicht sogar etwas, wofür sie sich hinterher selbst nicht mehr ansehen konnte. Dass seine Neugier sich trotzdem ausgerechnet daran entzündete, ließ den Reiz des Angebots nicht verschwinden, aber er veränderte ihn. „Wenn ich das jemals tue…“ Hope stockte und bemerkte selbst, dass sie nicht falls, sondern beinahe selbstverständlich wenn gesagt hatte. Ihr Blick glitt für einen Moment zur Seite. „…dann glaube ich nicht, dass ich möchte, dass jemand dabei zusieht.“ Auch das klang nicht wie eine Forderung. Dafür war sie selbst viel zu unsicher, ob sie diesen Gedanken überhaupt weiterdenken durfte. Dennoch blieb etwas daran bestehen: Wenn sie diesen Teil von sich eines Tages wirklich herausließ, wollte sie nicht, dass Mammon danebenstand und daraus eine Vorstellung machte. Sie war eine seiner Marionetten, die er an ihren Fäden tanzen lassen konnte. Niemals! Gleichzeitig entging ihr nicht, wie geschickt er ihr etwas angeboten hatte, das sie trotz aller Bedenken noch immer nicht vollständig ablehnen konnte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb seine Art von Geschäften funktionierte. Nicht weil Menschen immer gezwungen werden mussten, sondern weil er offenbar ziemlich gut darin war, ihnen etwas vor die Nase zu halten, das sie selbst unbedingt haben wollten. Seine Behauptung, das Spielen am Flügel sei tatsächlich nichts anderes als Spaß, beantwortete Hope diesmal lediglich mit einem kurzen Blick. Ihre Mundwinkel zuckten so schwach, dass kaum zu erkennen war, ob darin überhaupt ein Lächeln lag, ehe sie es dabei beließ. Er durfte es nennen, wie er wollte. Wesentlich weniger leicht ließ sich dagegen ignorieren, was wenige Augenblicke später im Fahrstuhl geschah. Als Mammon seine Hand erneut zu den Knöpfen bewegte, erwartete Hope zunächst nichts weiter als irgendeine weitere Etage oder vielleicht eine Änderung des Ziels. Das plötzliche Verstummen des gleichmäßigen Summens unter ihren Füßen traf sie deshalb umso unmittelbarer. Die Bewegung hörte auf. Die Zahlen über der Tür blieben stehen. Für einen Herzschlag verstand sie nicht, was er getan hatte, dann sah sie den stillstehenden Aufzug und spürte, wie sich ihr Brustkorb zusammenzog. Noch bevor sie etwas sagen konnte, drehte Mammon sich bereits vollständig zu ihr. Hope wich reflexartig zurück, obwohl hinter ihr längst keine wirkliche Möglichkeit mehr bestand, Abstand zu gewinnen. Ihre Schulterblätter trafen die kühle Wand, wenig später lag ihr Rücken vollständig dagegen, und ebenso ihre Handflächen, während sich ihre Hände plötzlich keinen Millimeter mehr bewegten konnten. Der Taschenriemen hing zwischen ihren Fingern, aber selbst die nervöse Bewegung daran war verschwunden. Ihr Körper hatte schneller reagiert als ihr Verstand. Stillhalten. Nicht provozieren. Abwarten. Mammons Arm glitt an ihrem Kopf vorbei und stützte sich neben ihr gegen die Wand, wodurch der letzte Rest von offenem Raum plötzlich noch kleiner wirkte. Seine Körperwärme erreichte sie, bevor er sie überhaupt berührte. Ebenso sein Parfüm, dunkel und warm, vermischt mit dem herben Geruch des Scotchs und etwas Eigenem darunter, das Hope nicht benennen konnte. Als sein Gesicht an ihrem vorbeiglitt und seine Lippen ihrem Ohr so nahekamen, dass sein Atem ihre Haut streifte, stellten sich feine Härchen an ihrem Nacken auf. Ihr eigener Atem blieb hoch in der Brust hängen. Sie bewegte sich trotzdem nicht. Nicht weil sie ihm damit irgendetwas erlaubte, sondern weil ihre Muskeln sich angefühlt hatten, als hätten sie vergessen, wie Bewegung überhaupt funktionierte. Seine leise geraunten Worte machten diese Starre nur komplizierter. Dein Körper hat schon längst andere Signale abgegeben. Hope hätte ihm gern augenblicklich widersprochen. Das Problem war nur, dass sie ihren eigenen Körper in diesem Moment viel zu deutlich spürte, um die Behauptung einfach als Lüge von sich weisen zu können: Ihr Herz schlug schnell genug, dass sie den Puls bis in ihren Hals spürte. Wärme hatte sich längst in ihrem Gesicht gesammelt und sank inzwischen tiefer, während ihre Haut zugleich empfindlicher auf jede Veränderung der Luft zwischen ihnen reagierte. Sein Atem an ihrem Ohr jagte ihr einen Schauer über den Rücken, der sich nicht ausschließlich unangenehm anfühlte, und genau diese Erkenntnis ließ einen neuen Anflug von Panik durch sie ziehen. War das Angst? Der Alkohol? Anziehung? Konnte all das gleichzeitig wahr sein? Hope hatte kaum Zeit, den Gedanken überhaupt zu fassen, bevor Mammons Hand an der Außenseite ihres Oberschenkels landete. Selbst durch den Stoff hindurch war seine Wärme deutlich. Ihre Muskulatur spannte sich unter seiner Berührung an, doch als seine Hand langsam höher wanderte, nahm ihr Körper jede einzelne Bewegung beinahe erschreckend genau wahr. Den Druck an ihrer Hüfte. Die Wärme über ihrem Bauch. Die Nähe seiner Finger zu ihrer Brust, ohne sie tatsächlich zu berühren. Dann das Schlüsselbein, wo ihre Haut bereits empfindlicher war als dort, wo Stoff zwischen ihnen lag. Hope zog scharf Luft ein, als seine Finger ihren Hals erreichten. Etwas in ihr wollte zurückweichen, doch hinter ihr befand sich weiterhin nur die Wand, und gleichzeitig gab es einen anderen, viel leiser auftauchenden Impuls, der sie ebenso erschreckte: Sie wollte auch nicht, dass er sofort aufhörte. Dieser Gedanke war kaum entstanden, als Bilder dagegen stießen, unvollständig und viel älter – kein Platz hinter ihr, Hände, die vorher nicht gefragt hatten, Entscheidungen, die längst getroffen worden waren, bevor Hope überhaupt verstanden hatte, dass sie hätte entscheiden dürfen. Für einen Moment wusste sie nicht mehr, welcher Teil ihrer Reaktion zu welchem Gefühl gehörte. Sie hätte in diesem Moment innerlich schreien können, doch aus zwei gänzlich verschiedenen Gründen. Als Mammons Finger schließlich ihr Kinn erreichten und dann über die empfindliche Haut bis zu ihrer Unterlippe wanderten, öffnete sich Hopes Mund unwillkürlich einen Spalt. Sein Zeigefinger zog ihre Lippe leicht nach unten, und ihr Atem strich warm dagegen, während sie ihn mit großen Augen von unten ansah. Seine Nähe war beinahe unerträglich. Nur ein Hauch lag noch zwischen ihren Mündern. Hope konnte jede kleine Veränderung seines Ausdrucks erkennen, jeden Atemzug beinahe mehr fühlen als hören, und irgendwo tief unter der Angst zog sich etwas in ihrem Bauch zusammen, das sie nicht kannte oder zumindest nie auf diese Weise hatte kennenlernen wollen. Dann sagte Mammon, dass sie es willig zulassen würde. Die Worte trafen sie beinahe härter als seine Hand, die sich ungefragt Zugang zu ihrem Körper verschafft hatte. Denn sie stand tatsächlich still. Ihr Mund war noch immer leicht geöffnet. Ihr Herz raste, ihre Haut brannte an den Stellen, die er berührt hatte, und ein Teil ihres Körpers schien auf die Möglichkeit, dass er die verbliebene Distanz zwischen ihren Lippen wirklich schließen könnte, mit etwas zu reagieren, das erschreckend wenig mit Abwehr zu tun hatte. Aber bedeutete das, dass sie es wollte? Hope wusste es nicht. Ihre Erinnerungen schrien ihr etwas anderes entgegen als ihr Körper. Ihr Verstand suchte nach einer Grenze, während ihre Haut Mammons Berührung noch immer registrierte und auf mehr davon reagierte. Sie konnte diese widersprüchlichen Ebenen plötzlich nicht mehr sauber voneinander trennen, und als er ihr schließlich auch noch erklärte, dass er sie einfach küssen würde, weil ihr Körper es seiner Meinung nach ebenso wollte, brachte Hope keinen Laut hervor. Ihre Augen blieben an seinen hängen wie an Magnete. Für einen winzigen Moment glaubte sie sogar, dass er es tatsächlich tun würde – und wusste zu ihrem eigenen Entsetzen nicht, ob der Schauer, der sie dabei durchlief, aus Angst oder Erwartung entstand. Dann trat Mammon zurück. Die Veränderung war erneut so abrupt, dass Hope erst begriff, wie sehr er ihre Nähe ausgefüllt hatte, als plötzlich wieder Luft zwischen ihnen war. Kurz darauf setzte sich der Fahrstuhl erneut in Bewegung. Das leise Summen kehrte zurück, die Zahlen über der Tür wechselten wieder, und Hope drehte den Kopf zur Seite, als müsste sie ihren Blick irgendwohin richten, wo Mammon sich nicht befand. Erst jetzt gelang ihr ein tieferer Atemzug. Ihre Brust hob sich merklich, dann noch einmal, während etwas von der Starre aus ihren Muskeln wich und stattdessen ein feines Zittern in ihre Beine kroch. Es wurde stärker, je länger sie wieder allein auf ihren eigenen Füßen stehen musste, sodass sie die Knie beinahe unmerklich gegeneinander drückte. Sie fühlte sich erschöpft, obwohl kaum mehr als wenige Augenblicke vergangen sein konnten. Ihre Hand hob sich langsam und legte sich an die Seite ihres Halses, genau dorthin, wo Mammons Finger entlanggeglitten waren. Die Haut fühlte sich nicht anders an und gleichzeitig vollkommen anders. Ihre Fingerspitzen strichen darüber, als müsste sie überprüfen, ob die Stelle wieder ihr gehörte – und vielleicht auch, ob sie noch irgendeinen Nachhall seiner Berührung finden konnte. Danach wanderte ihr Zeigefinger beinahe unbewusst zu ihrer Unterlippe. Hope berührte sie vorsichtig und zog die Hand sofort wieder ein Stück zurück, irritiert davon, wie empfindlich sich selbst diese eigene Berührung gerade anfühlte. Eine ganze Weile sagte sie nichts. Ihr Blick blieb auf ihre Finger gerichtet, als könnten sie ihr eine Antwort geben, die ihr eigener Kopf gerade nicht fand. „Ist mein Körper also untrennbar mit meinem Willen verbunden?“, fragte sie schließlich. Ihre Stimme zitterte deutlich und besaß nichts Herausforderndes. Es war eine wirkliche Frage, beinahe mehr an sich selbst als an Mammon gerichtet. Ihre Stirn zog sich zusammen. „Wenn ich Angst habe, schlägt mein Herz auch schneller.“ Hope schluckte und hob den Blick nur langsam zu ihm. „Bedeutet das, dass ich Angst haben will?“ Die Logik erschien ihr plötzlich so einfach und gleichzeitig reichte sie nicht aus, um das zu erklären, was gerade passiert war. Denn sie hatte nicht ausschließlich Angst empfunden. Genau das machte es schlimmer. Ihr Körper hatte auf Mammon reagiert, vielleicht sogar auf eine Weise, die er richtig erkannt hatte, aber Hope war sich immer weniger sicher, ob ein Körper allein überhaupt entscheiden durfte, was ein Mensch wollte. „Du hast einfach entschieden, was meine Reaktion für mich bedeutet“, sagte sie schließlich leise. Ihre Hand sank wieder von ihrem Gesicht, blieb aber dicht vor ihrem Körper, während sie noch immer näher an der Wand stand, als eigentlich nötig gewesen wäre. Erst nach einigen Sekunden begegnete sie Mammons Blick wieder vollständig. Ihr Gesicht war noch immer gerötet, ihre Beine fühlten sich unsicher an, und von der unbeabsichtigten Herausforderung ihrer ersten Frage war kaum noch etwas übrig. „Ob ich dich will oder nicht…“, begann sie und musste kurz neu ansetzen, weil ihre Stimme beinahe versagte. Beinahe wütend darüber biss sie sich ansatzweise kurz auf die Unterlippe. Ihre Augen wichen für einen Herzschlag aus, bevor sie wieder zu ihm zurückkehrten. „…solltest du vielleicht mir überlassen.“ RE: the uninvited guest - Mammon - 13.08.2026 Sie wusste nicht, was sie tun würde? Mammon konnte nicht anders als leicht zu schmunzeln. Oh, das machte es ja umso reizvoller und unberechenbarer. Doch Mammon antwortete darauf nicht, was auch ganz gut war, denn Hope sprach auch schon weiter und hatte nun doch durchaus Vermutungen, was sie tun würde. Entweder gar nichts oder… oder sie würde dann nicht wissen, wann man aufhörte. Aus einem Schmunzeln wurde nun ein teuflisches Grinsen. “Das findest du nur raus, wenn du es ausprobierst.” Ja, vielleicht war es ein Anstacheln, dass sie sich selbst diesem Wunsch hingab. Dennoch war es noch immer kein Zwang. Mammon hatte noch nicht von ihr verlangt, dass sie genau das tat, um ihre Schuld zu begleichen. Vielleicht tat er es jedoch noch oder er ließ es bleiben, da war der Teufelssohn noch unschlüssig gewesen. Einer der Mundwinkeln hob sich dann noch mehr, als Hope ihn musternd ansah und fragte, ob er wirklich dabei zusehen wolle und es für ihn Unterhaltung wäre. “Ist das wirklich eine ernst gemeinte Frage?” Kam es nur zurück. “Ich bin in der Hölle aufgewachsen, dort, wo Folter in jeder Sekunde passiert.” Vielleicht war es besser, sie dahingehend nochmal zu erinnern. “Natürlich ist das für mich Unterhaltung! Nichts gegen ein gutes Theaterstück oder einen tollen Film, aber das Flehen und die Schreie von den Gefolterten zu hören, ist nun einfach um einiges unterhaltsamer.” Somit war Hope hoffentlich nochmal klarer, dass er hier kein Samariter war, sondern ein direkter Nachkomme Luzifers. Schon fast mit gespieltem MItleid sah Mammon Hope an. Sie würde den Blick auf sich spüren, auch wenn sie zur Seite blickte. “Tja, nun das hast du aber nicht zu entscheiden. Mein Nachtclub, mein Folterkeller, mein Reich und somit meine Regeln.” Wenn Mammon also zuschauen wollte, dann tat er es auch einfach. Tja und wo sie gerade bei seinen Regeln waren, natürlich ging das Ganze dann im Aufzug weiter. Doch diesmal war es Hopes alleinige Schuld. Sie hatte es erst mit ihren Worten so weit kommen lassen. Hätte sie einfach nur ihre Klappe gehalten, dann wären sie einfach nebeneinander gemütlich hinunter in den Club gefahren. Doch das hatte sie sich selbst genommen oder eher gegeben? Schließlich zeigte Mammon hier durchaus seine Position und er spürte es deutlich, wie ihr Körper reagierte. Für ihn war es eindeutig. Sie sagte zwar das Gegenteil, aber ihr Körper sprach da eine ganz andere Sprache. Ob ihm dies gefiel? Sicher, auch wenn er wusste, dass sie hier im Aufzug keine Nummer schieben würden. Nicht jetzt und auch nicht später, zumindest nicht so lange, wie es jetzt zwischen Fred und ihm lief. Aber das wusste Hope nicht und Mammon musste zugeben, dass er daran gefallen hatte. Jede Reaktion ihres Körpers nahm er war und er war sich sicher, wäre er hier einen Schritt weiter gegangen und nicht an der Außenseite ihres Oberschenkels gewandert, sondern die Innenseite hoch, dass es da am deutlichsten zu spüren gewesen wäre. Aber so, wie Mammon Hope schließlich nahe gekommen war, reichte es fürs Erste aus. Das sah man schon daran, was bei ihr folgte, nachdem Mammon wieder Abstand zwischen ihnen beiden gebracht hatte. Während er sich ganz normal wieder hinstellte, musste Hope nun mit ihren eigenen Fingern die Orte entlang gehen, die er gerade mit seinen bei ihr berührt hatte. Mammon interpretierte es so, dass Hope es gefallen hatte. Wieso sollte man auch sonst nochmal die Stellen so zart berühren, wie sie es gerade tat? Außerdem war der Teufelssohn sich sicher, hätte er seine Lippen auf ihre gelegt, dann hätte sie dem Kuss willig zugestimmt. Umso erstaunter war er dann, als Hope anfing zu sprechen. Ihre Stimme war noch leicht zittrig. Ein Umstand, den er eigentlich erst kannte, wenn der Sex vorbei war und nicht schon bei einem so kleinen Vorspiel, wie diesem gerade. Außerdem… was sollten diese dummen Fragen? Was hatte Angst damit zu tun? Erst Recht, weil Mammon noch nie wirklich Angst verspürt hatte. Er kannte dieses Gefühl noch gar nicht, so wie Hope es tat. “Was soll das denn für eine Frage sein?” Mal ehrlich, das war doch wirklich eine dumme Frage! Dann sollte sie doch die fragen, die wussten, was Angst bedeutete. Mammon hatte keine Angst und noch nie welche empfunden gehabt. “Ach komm. Ich weiß, dass es dir gefallen hat. Ich hab mit vielen Frauen und Männern, Menschen und Nicht-Menschen Sex gehabt, dass ich weiß, wann jemanden etwas gefällt und dein Körper hat eindeutig gezeigt, dass es ihm gefallen hat, was ich damit angestellt habe.” Sagte Mammon mit einem wissenden Gesicht. “Von mir aus leugne, dass es dir gefallen hat, aber dann belügst du dich nur selbst.” Ja, genauso sah er es. “Gern geschehen im Übrigen.” Das hatte sich Mammon nicht verkneifen können. Und dann dauerte es auch gar nicht mehr so lange, bis man spürte, dass der Aufzug zum Stehen blieb und die Türen sich öffneten. |