03.07.2026, 13:35
Das leise Klavierspiel ließ Hope unwillkürlich erstarren. Es war nicht einmal die Drohung, die sie in ihrem Versteck hinter dem schweren Schreibtisch regungslos verharren ließ, sondern vielmehr der unerwartete Gegensatz zwischen der ruhigen Melodie und den Worten, die sie begleiteten. Wer einen Einbrecher in seiner Wohnung vermutete, griff vermutlich nach einer Waffe, rief die Polizei oder begann, den Raum systematisch zu durchsuchen. Mammon dagegen schenkte sich zunächst einen Scotch ein und setzte sich an sein Klavier, als gehöre selbst dieser Moment lediglich zu einem weiteren Abend in seinem Leben. Gerade diese Gelassenheit ließ Hope ahnen, wie aussichtslos jede Flucht gewesen wäre. Wer sich seiner selbst derart sicher war, musste schließlich keine Eile haben. Noch konnte sie nicht sehen um wen es sich handelte und auch an der Stimme erkannt sie ihn nicht. Sie waren sich damals nur kurz begegnet und in ihren Erinnerungen bestanden sowieso hin und wieder Lücken und den Wechsel ihres Bewusstseins.
Sie zog die Knie noch ein kleines Stück näher an den Körper, wobei ihre Finger den dünnen Stoff des fremden Kleides beinahe krampfhaft umklammerten. Noch immer fühlte es sich falsch an. Nicht unbequem, sondern... fremd. Als hätte jemand anders ihren Körper angezogen und anschließend vergessen, ihn wieder zurückzugeben. Unwillkürlich strich sie den ohnehin viel zu kurzen Saum erneut ein Stück nach unten, obwohl sie längst wusste, dass diese kleine Bewegung nichts daran änderte, wie ungewohnt sichtbar sie sich darin fühlte. Seine Worte erreichten sie dennoch. Hab und Gut stehlen...
Fast automatisch glitt ihre Hand zu der kleinen Tasche, die Lamia ihr umgehängt hatte. Die Rolex, natürlich. Für einen kurzen Augenblick schloss Hope die Augen. Verdammt, Lamia., dachte sie nur. Weder war sie besonders überrascht, noch ernsthaft ärgerlich darüber. Sie empfand eher diese müde Resignation, die sich über die Jahre eingestellt hatte und jedes Mal zurückkehrte, wenn sie wieder einmal an einem fremden Ort aufwachte und versuchte herauszufinden, welche Katastrophe Lamia diesmal hinterlassen hatte. Und immerhin schienen hier keine frischen Leichen zu liegen, etwas das Hope als sehr erleichternd aufgenommen hatte.
Fortlaufen wäre sinnlos. Langsam löste sie ihre Finger von dem Stoff des Kleides, griff stattdessen in die kleine Handtasche und zog die Rolex vorsichtig hervor. Das Metall fühlte sich kühl in ihrer Hand an, beinahe schwerer, als eine Uhr eigentlich sein durfte. Mit einem kaum hörbaren Atemzug richtete sie sich schließlich auf. Langsam und ohne hastige Bewegungen.
Sie wusste nicht, ob der Mann sie längst hören konnte oder ohnehin genau wusste, wo sie sich befand, weshalb jeder Versuch, sich lautlos zu bewegen, ihr plötzlich ebenso sinnlos erschien wie der Gedanke an Flucht. Vorsichtig trat sie hinter dem Schreibtisch hervor, den Blick zunächst auf den Boden gerichtet, ehe ihre Augen schließlich zu ihm wanderten.
Und als sie nun aus ihrer Deckung tat, erkannte sie mit einem Mal seine markanten Gesichtszüge, seine dunklen Haare und den Blick, der so durchdringen war, dass er sie mit ihm nicht einmal fixieren musste. Für den Bruchteil einer Sekunde versteifte sich ihr gesamter Körper. Ich bin Mammon, Prinz der Hölle und baldiger Herrscher dieser Erde. Er hatte sich seit ihrer ersten Begegnung kaum verändert, zumindest nicht äußerlich, wie sie sehen konnte. Erneut schien er mit seiner Präsenz den gesamten Raum auszufüllen, ohne laut werden zu müssen. Und genauso kroch eine eiskalte Gänsehaut ihren Rücken hoch und setzet sich mit einer Vehemenz in ihrem Nacken fest. Nun erinnerte sie ich auch wieder gut an ihre erste Begegnung, um erneut das beinahe erdrückende Gefühl seiner Präsenz wahr zu nehmen. Damals hatte Lamia Menschen getötet. Er hatte sie gesehen, sie beide. Und dennoch hatte er sie in ihrem bewusstlosen Zustand anschließend nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern in Sicherheit gebracht. Die Fragen darüber waren geblieben und schließlich im Nebel ihrer Erinnerung unbeantwortet verschwunden.
Hope blieb in respektvollem Abstand stehen. Nicht aus Unterwürfigkeit, sondern weil ihr Körper ihr seit Jahren beigebracht hatte, anderen Menschen grundsätzlich nicht näher zu kommen, als unbedingt nötig. Schweigend streckte sie schließlich die Hand aus, in der die Rolex lag. „Die... gehört dir.“
Ihre Stimme war leise, beinahe rau vom langen Schweigen und sie bemühte sich die Überraschung nicht in ihr durchklingen zu lassen, was ihr nur eigeschränkt gut gelang. War dies nur ein Zufall oder von Lamia bewusst gewollt gewesen? Dieses Dämonenbiest ließ sie doch zu gern in solch unglückliche Situationen schlittern!
„Tut mir leid...“ Die Worte kamen zögerlich. Nicht, weil es ihr egal war, sondern weil sie sich unsicher war, ob er sich noch in sie und ihre "bessere" Hälfte erinnern konnte. Erst danach hob sie den Blick vollständig, begegnete seinen Augen für einen kurzen Moment und fügte nach einer kleinen Pause mit derselben schlichten Ehrlichkeit hinzu, die sie auch sonst nie besonders gut verbergen konnte: „Ich war das nicht, es war Lamia.“ Hatte sie nicht genau das Gleiche bei ihrer letzten Begegnung gesagt, als Lamia das Massaker in der Gasse angerichtet hatte? Fast musste Hope innerlich bitter auflachen, aber nur fast.
Einen Herzschlag lang blieb sie schweigend stehen, während ihre ausgestreckte Hand mit der Rolex noch immer reglos zwischen ihnen verharrte. Erst nach einigen Sekunden legte sie sie auf seinen Schreibtisch, während ihr Blick für einen kurzen Moment über den dunklen Boden glitt. „...Ich erinnere mich an dich.“ Natürlich tat sie das. Er hatte sie gerettet und sie hatte sich gefragt, warum er sie nicht getötet hatte.
Ihre Stimme war kaum mehr als ein ruhiges Murmeln, unsicher und zugleich nachdenklich, als würde sie die Erinnerung selbst erst wieder vorsichtig zwischen ihren Gedanken hervorholen. „Von damals.“
Unwillkürlich kehrten für den Bruchteil einer Sekunde Bilder zurück, die sie längst nicht mehr bewusst hervorrief und die dennoch niemals ganz verschwanden: das kalte Pflaster der Gasse, der metallische Geruch von Blut, Lamias grausame Zufriedenheit... und schließlich das verschwommene Gesicht des Mannes, von dem sie damals geglaubt hatte, er würde ihrem Leben den letzten, unausweichlichen Abschluss geben. Stattdessen war sie wieder aufgewacht, lebend.
Langsam hob Hope den Blick wieder ein Stück an, begegnete seinen Augen jedoch nur für einen flüchtigen Moment, bevor sie sie ebenso schnell wieder senkte. „Ich... dachte nicht, dass wir uns noch einmal begegnen würden.“ Ihre Lider flatterten und sie presste ihre Lippen aufeinander, ohne durchblicken lassen zu wollen, dass sie sich gerade in einer ziemlich unglücklichen Situation befand. Sie musste mal wieder hinter ihrer dämonischen Hälfte herräumen, es wieder in Ordnung bringen.
Sie zog die Knie noch ein kleines Stück näher an den Körper, wobei ihre Finger den dünnen Stoff des fremden Kleides beinahe krampfhaft umklammerten. Noch immer fühlte es sich falsch an. Nicht unbequem, sondern... fremd. Als hätte jemand anders ihren Körper angezogen und anschließend vergessen, ihn wieder zurückzugeben. Unwillkürlich strich sie den ohnehin viel zu kurzen Saum erneut ein Stück nach unten, obwohl sie längst wusste, dass diese kleine Bewegung nichts daran änderte, wie ungewohnt sichtbar sie sich darin fühlte. Seine Worte erreichten sie dennoch. Hab und Gut stehlen...
Fast automatisch glitt ihre Hand zu der kleinen Tasche, die Lamia ihr umgehängt hatte. Die Rolex, natürlich. Für einen kurzen Augenblick schloss Hope die Augen. Verdammt, Lamia., dachte sie nur. Weder war sie besonders überrascht, noch ernsthaft ärgerlich darüber. Sie empfand eher diese müde Resignation, die sich über die Jahre eingestellt hatte und jedes Mal zurückkehrte, wenn sie wieder einmal an einem fremden Ort aufwachte und versuchte herauszufinden, welche Katastrophe Lamia diesmal hinterlassen hatte. Und immerhin schienen hier keine frischen Leichen zu liegen, etwas das Hope als sehr erleichternd aufgenommen hatte.
Fortlaufen wäre sinnlos. Langsam löste sie ihre Finger von dem Stoff des Kleides, griff stattdessen in die kleine Handtasche und zog die Rolex vorsichtig hervor. Das Metall fühlte sich kühl in ihrer Hand an, beinahe schwerer, als eine Uhr eigentlich sein durfte. Mit einem kaum hörbaren Atemzug richtete sie sich schließlich auf. Langsam und ohne hastige Bewegungen.
Sie wusste nicht, ob der Mann sie längst hören konnte oder ohnehin genau wusste, wo sie sich befand, weshalb jeder Versuch, sich lautlos zu bewegen, ihr plötzlich ebenso sinnlos erschien wie der Gedanke an Flucht. Vorsichtig trat sie hinter dem Schreibtisch hervor, den Blick zunächst auf den Boden gerichtet, ehe ihre Augen schließlich zu ihm wanderten.
Und als sie nun aus ihrer Deckung tat, erkannte sie mit einem Mal seine markanten Gesichtszüge, seine dunklen Haare und den Blick, der so durchdringen war, dass er sie mit ihm nicht einmal fixieren musste. Für den Bruchteil einer Sekunde versteifte sich ihr gesamter Körper. Ich bin Mammon, Prinz der Hölle und baldiger Herrscher dieser Erde. Er hatte sich seit ihrer ersten Begegnung kaum verändert, zumindest nicht äußerlich, wie sie sehen konnte. Erneut schien er mit seiner Präsenz den gesamten Raum auszufüllen, ohne laut werden zu müssen. Und genauso kroch eine eiskalte Gänsehaut ihren Rücken hoch und setzet sich mit einer Vehemenz in ihrem Nacken fest. Nun erinnerte sie ich auch wieder gut an ihre erste Begegnung, um erneut das beinahe erdrückende Gefühl seiner Präsenz wahr zu nehmen. Damals hatte Lamia Menschen getötet. Er hatte sie gesehen, sie beide. Und dennoch hatte er sie in ihrem bewusstlosen Zustand anschließend nicht ihrem Schicksal überlassen, sondern in Sicherheit gebracht. Die Fragen darüber waren geblieben und schließlich im Nebel ihrer Erinnerung unbeantwortet verschwunden.
Hope blieb in respektvollem Abstand stehen. Nicht aus Unterwürfigkeit, sondern weil ihr Körper ihr seit Jahren beigebracht hatte, anderen Menschen grundsätzlich nicht näher zu kommen, als unbedingt nötig. Schweigend streckte sie schließlich die Hand aus, in der die Rolex lag. „Die... gehört dir.“
Ihre Stimme war leise, beinahe rau vom langen Schweigen und sie bemühte sich die Überraschung nicht in ihr durchklingen zu lassen, was ihr nur eigeschränkt gut gelang. War dies nur ein Zufall oder von Lamia bewusst gewollt gewesen? Dieses Dämonenbiest ließ sie doch zu gern in solch unglückliche Situationen schlittern!
„Tut mir leid...“ Die Worte kamen zögerlich. Nicht, weil es ihr egal war, sondern weil sie sich unsicher war, ob er sich noch in sie und ihre "bessere" Hälfte erinnern konnte. Erst danach hob sie den Blick vollständig, begegnete seinen Augen für einen kurzen Moment und fügte nach einer kleinen Pause mit derselben schlichten Ehrlichkeit hinzu, die sie auch sonst nie besonders gut verbergen konnte: „Ich war das nicht, es war Lamia.“ Hatte sie nicht genau das Gleiche bei ihrer letzten Begegnung gesagt, als Lamia das Massaker in der Gasse angerichtet hatte? Fast musste Hope innerlich bitter auflachen, aber nur fast.
Einen Herzschlag lang blieb sie schweigend stehen, während ihre ausgestreckte Hand mit der Rolex noch immer reglos zwischen ihnen verharrte. Erst nach einigen Sekunden legte sie sie auf seinen Schreibtisch, während ihr Blick für einen kurzen Moment über den dunklen Boden glitt. „...Ich erinnere mich an dich.“ Natürlich tat sie das. Er hatte sie gerettet und sie hatte sich gefragt, warum er sie nicht getötet hatte.
Ihre Stimme war kaum mehr als ein ruhiges Murmeln, unsicher und zugleich nachdenklich, als würde sie die Erinnerung selbst erst wieder vorsichtig zwischen ihren Gedanken hervorholen. „Von damals.“
Unwillkürlich kehrten für den Bruchteil einer Sekunde Bilder zurück, die sie längst nicht mehr bewusst hervorrief und die dennoch niemals ganz verschwanden: das kalte Pflaster der Gasse, der metallische Geruch von Blut, Lamias grausame Zufriedenheit... und schließlich das verschwommene Gesicht des Mannes, von dem sie damals geglaubt hatte, er würde ihrem Leben den letzten, unausweichlichen Abschluss geben. Stattdessen war sie wieder aufgewacht, lebend.
Langsam hob Hope den Blick wieder ein Stück an, begegnete seinen Augen jedoch nur für einen flüchtigen Moment, bevor sie sie ebenso schnell wieder senkte. „Ich... dachte nicht, dass wir uns noch einmal begegnen würden.“ Ihre Lider flatterten und sie presste ihre Lippen aufeinander, ohne durchblicken lassen zu wollen, dass sie sich gerade in einer ziemlich unglücklichen Situation befand. Sie musste mal wieder hinter ihrer dämonischen Hälfte herräumen, es wieder in Ordnung bringen.

